Radiocäsium Kontamination von Elaphomyces -Hirschtrüffel speichern Cäsium-137

Die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl ereignete sich am 26. April 1986. In den folgenden Tagen wurde auch über Deutschland Radioaktivität durch den Tschernobyl Fallout verteilt. Heute findet sich aufgrund seiner Halbwertszeit von ca. 30 Jahren immer noch Cäsium-137 in der Umwelt. Aufgrund der besonderen Ökologie von Waldböden im Vergleich zu Ackerböden finden sich noch heute erhöhte Cs-137 Kontaminationen in einigen Biomedien des Waldes, insbesondere in Hirschtrüffel und Wildschweine.

Radioaktivität stammt aus dem Tschernobyl-Fallout

Besonders hohe Radiocäsium Aktivitäten finden sich in einigen Gebieten Süddeutschlands in Wildschweinen und Pilzen. Unter den Pilzen reichern Hirschtrüffel (Elaphomyces) Cäsium-137 in besonderem Maße an. In mehreren Forschungsvorhaben wurden die mit Abstand höchsten Cäsium-137 Aktivitäten aller untersuchten Pflanzen und Pilze in Elaphus granulatus, der warzigen Hirschtrüffel gefunden (Fielitz 2005, Hohmann und Huckschlag 2004, Steiner und Fielitz 2009). In Abbildung 1 ist die Cs-137 Aktivität für verschiedene Pilzarten aus einem besonders vom Tschernobyl-Fallout betroffenen Gebiet im Bayerischen Wald aufgetragen. Zu beachten ist die logarithmische Darstellung der Messdaten. Die Zahlen in den Säulen entsprechen den untersuchten Proben. Die Untersuchungen wurden von 2001 – 2004 durchgeführt.

Hirschtrüffel reichern mehr Radioaktivität (Cs-137) als andere Pilzarten an
Abb. 1: Mittelwerte der Cäsium-137 Aktivität in verschiedenen Pilzarten pro kg Frischgewicht aus dem Bayerischen Wald. Quelle: Fielitz 2005

Hirschtrüffel haben im Vergleich zu anderen Pilzarten einen hohen Anteil an Trockensubstanz (Hirschtrüffel ca. 40-50%, Maronen ca. 15-20%). Wird die Cs-137 Aktivität auf Trockensubstanz bezogen, wird der Unterschied in der Kontamination „andere Pilze“ zu der von Hirschtrüffel noch größer.

Messwerte aus 2018

Aktuelle Messungen an Elaphomyces granulatus in den o. g. Gebieten ergeben Cäsium-137 Aktivitäten von 5.000 Bq/kg – 12.000 Bq/kg Frischgewicht (Umweltanalysen unpubliziert) Offenbar macht sich die Halbwertszeit von 30,17 Jahre bemerkbar. Wurde die Cs-137 Kontamination von Hirschtrüffel in den ersten 2 Jahrzehnten nach dem Reaktorunfall offenbar besonders durch chemisch-physikalische Verlagerungs- und biotische Transportvorgänge bestimmt, könnte jetzt der radioaktive Zerfall dominieren.

Hirschtrüffel sind die dominierende Quelle der Radiocäsium-Kontamination von Wildschweinen

In einigen Regionen Deutschlands bleibt die Radiocäsium Kontamination von Wildschweinen (Sus scrofa) auf einem relativ hohen Niveau und weist gleichzeitig eine außergewöhnliche Variabilität auf.

Die Gründe für dieses besondere Kontaminationsmuster wurden von 2002 bis 2004 in einem Gebiet im Bayerischen Wald untersucht. Die mikroskopischen Analysen von 70 Mägen gaben detaillierte Informationen über die Nahrungsmittelzusammensetzung. Potenzielle Nahrungsmittel, die im Untersuchungsgebiet entnommen wurden, wurden auf ihren Radiocäsiumgehalt hin untersucht. Eine entscheidende Rolle spielte die Hirschtrüffelart Elaphomyces granulatus, eine bevorzugte Wildschwein-Delikatesse. Dieser Pilz zeigte Kontaminationsniveaus, die diejenigen von essbaren Pilzen und anderen Nahrungsmittelbestandteilen um eine Größenordnung und mehr überstiegen. Trotz ihres geringen Gewichtsanteils von durchschnittlich! etwa 6% des Mageninhaltes können mehr als drei Viertel der Radiocäsiumaufnahme auf Hirschtrüffel zurückgeführt werden. Ihr unregelmäßiger Verbrauch und die Dynamik von Cs-137 im Waldboden erklären das besondere Kontaminationsmuster von Wildschweinen. Bei der prädiktiven Modellierung der Cs-137 Kontamination von Wildschweinen sollten immer auch Hirschtrüffel berücksichtigt werden (Steiner und Fielitz 2009).

Literatur

Fielitz, U. (2005): Untersuchungen zum Verhalten von Radiocäsium in Wildschweinen und anderen Biomedien des Waldes.
Abschlussbericht zum Forschungsvorhaben StSch4324 im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und
Reaktorsicherheit
Hohmann U., Huckschlag D. (2004): Forschungsbericht – Grenzwertüberschreitende Radiocäsiumkontamination von Wildschweinfleisch in Rheinland-Pfalz – Eine Mageninhaltsanalyse erlegter Wildschweine aus dem westlichen Pfälzerwald.

Steiner M., Fielitz U. 2005: Deer truffles – the dominant source of radiocaesium contamination of wild boar. Radioprotection,vol.44,n◦5 (2009) 585–588