Nahrung, Leben und Lebensräume von Schwarzwild

Sie werden selten gesehen, aber ihre Spuren sind oft auf dem Boden im Wald oder an Wegrändern sichtbar. Wobei hier mit Spuren nicht wirklich die Fährten, sondern Wühlstellen gemeint sind. Es handelt sich um das Wildschwein. In den Medien genießen die borstigen Säugetiere in den letzten Jahren steigendes Interesse (Wildschweine in Berlin, Köln usw.). Die Ursache dafür ist ihr vermehrtes Auftreten, auch in urbanen Gebieten. Aufgrund der Wühlaktivität in Böden und Kulturflächen kann das zu Konflikten führen. Beispielsweise wenn Schwarzwild in Nutzgärten einfällt oder Teile von Spielplätzen und Friedhofsanlagen „verwüstet“. Da Wildschweine aufgrund der starken Bejagung überwiegend nachtaktiv sind, fallen sie bei Tageslicht kaum auf. Hier finden Sie Informationen zur Strahlenbelastung von Wildschweinen.

Ein Wildschwein Familienverband - Die Rotte

 

Steckbrief: Das Wildschwein

  • Lateinischer Name: Sus scrofa
  • Widerristhöhe: 1 m
  • Körperlänge: 1,5 m
  • Körpergewicht: Männlich 40 – 200 kg, weiblich 70 – 150 kg. In Deutschland erwachsene männliche und weibliche Tiere durchschnittlich etwa bei 55 kg.
  • Alter: 15 – 20 Jahre in Gefangenschaft, 10 Jahre in freier Wildbahn, wobei sie in Deutschland jagdbedingt durchschnittlich nur ca. 2,5 Jahre leben. Link > Jagdstrecken
  • Gruppenstruktur: erwachsene weibliche Tiere und Jungtiere leben in Gruppen zusammen, während pubertierende und junge Männchen Junggesellen Trupps bilden, adulte Männchen leben dagegen überwiegend alleine
  • Nahrung: Allesfresser (Omnivore), wobei der Schwerpunkt auf pflanzliche Nahrung liegt
  • Synonyme: Sauen, Schwarzwild, Schwarzkittel
  • Lateinischer Name: Sus scrofa

Nach diesem kurzen Steckbrief jetzt mehr Detailinformationen. Zunächst aber ein Video. Quelle: Youtube

 

Paarung

Die Paarung der Wildschweine kann prinzipiell ganzjährig erfolgen, wie das gestaffelte Alter vieler Frischlinge belegt. Die Hauptpaarungszeit ist aber der Spätherbst bis zum Winteranfang von November bis Januar. Entsprechend wird der überwiegende Teil der Frischlinge im Frühjahr geboren,

Tragzeit

Die Tragzeit beträgt durchschnittlich 115 Tage.

 

Jägersprache für Alter und Geschlecht

Die Jägersprache beschreibt präzise das Geschlecht und die Zugehörigkeit zu einer Altersklasse:

Frischling = junges Wildschwein, von der Geburt bis zum Ende des ersten Lebensjahres (Google Suche auch Baby Wildschein)

Überläufer = Wildschwein von Beginn bis Ende des zweiten Lebensjahr, wobei weibliche Überläufer und männliche Überläufer oft getrennt erfaßt werden.

Bache = weibliches Wildschwein ab dem 3. Lebensjahr (25 Monate und älter)

Keiler = männliches Wildschwein ab dem 3. Lebensjahr (25 Monate und älter)

Altersklassen von Wildschweinen - Erklärung und schematischer Überblick, wann ein Frischling zum Überläufer und später zu Bache oder Keiler wird

Die Altersklassen in der Übersicht

Bezeichnung Bedeutung Lebensjahr jagdlich übliche Einteilung Teilnahme an Paarung
Frischling weiblich Baby, Kind, junges Wildschwein 1. ja, mehr als 50% der Tiere
Frischling männlich Baby, Kind, junges Wildschwein 1. 31. März des auf die Geburt folgenden Jahres nein
Überläufer weiblich, Überläuferbache halbstarkes Tier 2. 1.4 nach Geburtsjahr bis 31. März Folgejahr ja
Überläufer männlich, Überläuferkeiler halbstarkes Tier 2. 1.4 nach Geburtsjahr bis 31. März Folgejahr kaum Chancen gegen Keiler
Bache erwachsenes weibliches Tier ab 3. ab 1.4 des auf die Geburt übernächste Jahr ja
Keiler erwachsenes männliches weibliches Tier ab 3. ab 1.4 des auf die Geburt übernächste Jahr ja

Verbreitung und Lebensraum von Schwarzwild

Nur wenige große Säugetiere kommen mit so unterschiedlichen Habitaten zurecht wie die Wildschweine. Deshalb kommen sie u. a. in ganz Europa vor. Abgesehen von den Hochgebirgen ist die Art dabei auch bisher nicht bewohnte Gebiete zu besiedeln. In Schweden und Norwegen expandiert die Art trotz niedriger Temperaturen im Winter weiter nach Norden (Malmsten 2016, Rosvold und Andersen 2008, The Norwegian Scientific Committee for Food and Environment 2018.

Wildschweine halten sich gern in Wäldern auf, da diese Schutz und Nahrung bieten. Durch den in den letzten Jahrzehnten verstärkten Maisanbau finden die Tiere während von Sommer bis zur Erntezeit auch auf solchen landwirtschaftlichen Flächen geeignete Lebensbedingungen.

Nahrungsspektrum & Ernährung: was fressen Wildschweine?

Wildschweine sind Allesfresser, was für die Art ist ein großer Vorteil in einer sich schnell ändernden Umwelt ist. Abgesehen von Bucheckern und Eicheln, die sie sehr gern fressen, finden sie den überwiegenden Teil ihrer Nahrung im Boden. Magenanalysen zeigen, dass pflanzliche Bestandteile die Basis ihrer Ernährung darstellen (s. a.  Hohmann 2009,)
Gefressen werden Wurzeln und Rhizome, Gräser, Knollen, Früchte, Obst, Pilze aber auch Insektenlarven, Reptilien Mäuse und andere Tiere, aber auch Aas (im Frühjahr z. B. gelegentlich Kitze). Die Tabelle 1 zeigt die Ergebnisse einer Untersuchung zum Nahrungsspektrum von Wildschweinen anhand von 70 Wildschweinmägen aus einem Forschungsvorhaben des BfS. Die Angaben beziehen sich auf das Frischgewicht (FS).

Tab. 1: Mittlerer Anteil von Nahrungsgruppen bezogen auf das Magenfrischgewicht, in 70 Wildschweinmägen, Mai 2002 – August 2004 (Quelle: Fielitz 2005)

 

Nahrungsgruppe Mittlerer Anteil am Magen FS [%] Häufigkeit in allen Mägen [%]
Sonstiges 0,3 32,9
Tierische Bestandteile 0,9 47,1
Pilze 7,6 82,9
Boden 11,0 90,0
Wurzeln 12,2 40,0
Kräuter/Sträucher/Bäume 13,4 52,9
Fütterung 17,1 70,0
Früchte 17,3 41,4
Gräser 20,2 78,6

Eine besondere Rolle spielt für die omnivoren Wildschweine die Baummast: Eicheln, Bucheckern und gelegentlich auch Maronen. In Mastjahren enthalten die Mägen fast ausnahmslos Mastfrüchte. Da diese besonders energiereich sind, ermöglichen sie den Wildschweinen einen Speckansatz für den Winter.(s. a. Gärtner 2015, Linderoth 2010, Elliger 2009)

Eine weitere Sonderstellung im Nahrungsspektrum der Wildschweine sind die unterirdisch fruktifizierenden Hirschtrüffel, die offenbar  wegen der Pheromone besonders häufig gesucht werden. Ihre Aufnahme verursacht in einigen, durch den Tschernobyl-Fallout besonders betroffenen Gebieten in Deutschland maßgeblich die erhöhte radioaktiven Kontamination (Cäsium-137) von Wildschweinen.

zur Untersuchung geöffneter Wildschweinmagen
Für eine Analyse zum Nahrungsspektrum geöffneter Magen eines Wildschweins. Der Mageninhalt besteht weitestgehend aus pflanzlichenm Bestandteilen

 

Bilder

Bache mit Frischlingen

Wildschweinmutter mit Frischlingen

ältere Keiler sind außerhalb der Paarungszeit meist Einzelgänger und sehr wehhaft

adultes männliches Wildschwein - ältere Keiler leben allein

 

Weibliche Wildschweine

Beim Schwarzwild haben die Weibchen das Heft in der Hand, zumindest bei der Sozialstruktur. Denn die Tiere leben in Rotten, die abgesehen von relativ jungen männlichen Frischlingen oder Überläuferkeiler nur aus Generationen von weiblichen Familienmitgliedern oder deren Verwandte bestehen. Angeführt wird die Rotte von einer erfahrenen Leitbache.

Eine Rotte bestehend aus Bache, Überläufer und Frischlinge, wobei weibliche Wildschweine oft Familienverbände bilden

3 Wildschweingenerationen: Bache, Überläufer und Frischlinge

Nachfrage zum Suchwort im Web

Wie häufig wird „wildschwein“ bei Google gesucht? Die relative Entwicklung der Nachfrage ist in der folgenden Abbildung dargestellt. Seit 2010 wird der Begriff zunehmend häufiger nachgefragt. Auffallend ist die Saisonalität der Nachfrage mit einem Maximum jeweils im Dezember. Mehr zur Auswertungsmöglichkeit finden Sie auf unserer Seite über Google Trends.

Entwicklung der Nachfrage nach dem Suchwort

Relative Häufigkeit des Suchvolumens nach dem Keywort „Wildschwein“ bei Google. Quelle: trends.google.de

News

NRW – Afrikanische Schweinepest: Land mahnt weiterhin zu Umsicht

Die Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutzin NRW appeliert an die Umsicht der Jäger. „Wichtig sei zudem, Funde von toten Wildscheinen unmittelbar unter der Telefonnummer 0201/714488 oder per Mail an nbz@lanuv.nrw.de der Bereitschaftszentrale des Landesumweltamtes zu melden. Die Zentrale kümmert sich in Abstimmung mit den Kommunen um die schnelle Sicherung und Untersuchung des aufgefundenen Wildschweins.“