Sars Cov-2 in Pflanzen – kommt Coronavirus in Nutzpflanzen, Getreide, Obst und Beeren vor?

Stand der Forschung bei Coronavirus in Getreide, Obst, Beeren und landwirtschaftlichen NutzpflanzenIn den Medien wird täglich über die Anzahl der Covid-19 Neuinfektionen berichtet. Natürlich steht der Mensch für den Menschen an erster Stelle der Betroffenenpyramide. Es folgen tierpathogene Erkenntnisse, welche Tierarten als infektiös gelten. Über die Kontamination von SARS-CoV-2 an Pflanzen gibt es bisher in Deutschland keine weiterführenden Informationen. Dies nicht ohne Grund, gelten Pflanzen allgemein als weniger virulent als Mensch und Tier. Trotzdem stellt sich die Frage, ob in oder auf Kulturpflanzen wie Getreide, Mais oder Gemüse und Obst und Beeren das Coronavirus Cov-2 vorkommen kann. Besonders die lebensmittelliefernden Pflanzen sind für eine mögliche Infektionsquelle für die Übertragung des Coronavirus auf den Menschen von Bedeutung. Auch über Sars-Cov-2 in Böden sind keine Informationen verfügbar.

Eintragswege

Wie können Pflanzen mit Sars Cov-2 kontaminiert werden, welche Eintragswege sind relevant?

  • Coronavirus Kontamination von Pflanzenzellen durch Vektoren (Das Virus ist in die Pflanze gelangt)
  • Kontamination von Pflanzenoberflächen

Von selbst können Coronaviren nicht durch die Pflanzenoberfläche in die Pflanze gelangen (Ausnahme: die Kutikula bzw. epidermale Abschlusshäute sind verletzt). Um in die Pflanzenzelle zu gelangen, müssen Vektoren tätig werden: In Betracht kommen beispielsweise infizierten Pflanzenschädlingen. Dazu zählen Bakterien, Fadenwürmer, Insekten und Pilze. Auch ist die Virus-Kontamination mit der Nährstoffaufnahme möglich.
Theoretisch können Nutzpflanzen wie Gemüse, Obst und Getreide auch durch trockene und nasse Deposition mit Coronaviren kontaminiert werden. Denkbar sind Einträge von Sars Cov-2 durch Aerosole, trockene Deposition oder direkte Schmierinfektion auf pflanzliche Oberflächen.

Maßnahmen

Pflanzen verfügen über kein eigenes Immunsystem zur Bekämpfung von Viren. Betroffene Pflanzen können daher oft nicht behandelt werden um zu genesen. Meist bleibt nur die fachgerechte Vernichtung der betroffenen Teile.

Forschung zu Coronavirus in Pflanzen

Nach telefonischer Auskunft der Julius Kühn-Institut, dem Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen findet dort aktuell keine Forschung zum Thema Sars Cov-2 statt. Auch ein Check bei Google Trends Deutschland zu dem Keybegriff „Sars Cov-2 pflanze„“ liefert keinen Treffer: “ Ihre Suche enthält nicht genügend Daten. Vergewissern Sie sich, dass alles richtig geschrieben ist, oder geben Sie einen allgemeineren Begriff ein. …“

Die internationale Recherche führt meist zu Studien und Artikeln, die sich mit der Herstellung von Wirkstoffen aus Pflanzen gegen das Coronavirus beschäftigen:
The Role of Plant Biotechnology Against SARS-CoV-2

https://www.european-virus-archive.com/virus/sars-cov-2-humandeuhh-12020

FAO-Empfehlungen zu Pflanz- und Ernteaufgaben während des COVID-19-Ausbruchs unter Verwendung von Erntekalendern

Ein wissenschaftliches Team aus Europa sammelte und überprüfte die vorhandenen Pflanzentechnologien, die gegenwärtig zur Bekämpfung von SARS-CoV-2, dem für die COVID-19-Pandemie verantwortlichen Virus, eingesetzt werden. Sie veröffentlichten ihr Papier mit dem Ziel, Technologien hervorzuheben, bei denen Pflanzen wichtige Beiträge leisten können: diagnostische Reagenzien für Virustestkits, Impfstoffherstellung und antivirale Mittel zur Behandlung der Symptome.
In dem Papier werden drei Möglichkeiten diskutiert, wie Pflanzen eine Rolle im Kampf gegen COVID-19 spielen können.

Laut BfR bisher keine Infektionen durch Coronaviren auf Obst oder Gemüse

Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat bisher keine Informationen über eine Coronavirus Infektion von Menschen durch den Verzehr von Obst oder Gemüse. Das SARS-CoV-2 Virus kann sich auf pflanzlichen Lebensmitteln nur über einen menschlichen oder tierischen Wirt vermehrern. Deshalb ist eine Infektion vermutlich nur durch eine Kontamination der Pflanzenoberfläche möglich (abgesehen von Infektionen durch pathogene Pflanzenschädlinge).
Vorbeugung Maßnahmen: Intensives Waschen von Obst und Gemüse vor dem Verzehr, senkt die Wahrscheinlichkeit einer Infektion sehr deutlich.

Diagnosereagenzien für die Virusnachweis-Kits

Erstens ging es um die Rolle von Diagnosereagenzien für die Virusnachweis-Kits, die weltweit sehr gefragt sind. Mit der Veröffentlichung der SARS-CoV-2-Sequenz wurden die Informationen möglich, die zur Erzeugung rekombinanter viraler Proteine als Diagnosereagenzien erforderlich sind. Pflanzen sind in der Lage, diese Proteine in einem schnellen, massiven Maßstab zu produzieren, die für die sofortige Entwicklung von Assays zum Nachweis von Serumantikörpern bei Patienten verwendet werden können. Dadurch kann die Produktion der dringend benötigten Testkits schneller durchgeführt führt.

Pflanzen mit Verwendung bei der Entwicklung von Impfstoffen

Die zweite Rolle der identifizierten Pflanzen ist ihre Verwendung bei der Entwicklung von Impfstoffen. Berichten zufolge wurden Untereinheiten-Impfstoffe für die saisonale Grippe und pandemische Grippestämme in Pflanzen hergestellt. Pflanzen werden zur Herstellung von Antikörpern verwendet, die zur passiven Immuntherapie eingesetzt werden können. In einigen Fällen der Antikörperproduktion ist der großflächige Anbau von transgenen Pflanzen die wirtschaftlichste Möglichkeit. Schließlich wurde die Rolle von Pflanzen bei der Produktion antiviraler Medikamente diskutiert. Antivirale Medikamente hemmen den viralen Replikationszyklus, verlangsamen somit die Infektion und geben dem Immunsystem die Möglichkeit, die Infektion abzuwehren.

Für antivirale Medikamente können kohlenhydratbindende Proteine, so genannte Lektine, aus Pflanzen verwendet werden. Lektine binden sich an ein breites Spektrum von Viren, um diese zu inaktivieren. Wie bei den beiden anderen Pflanzentechnologien kann die Verwendung transgener Pflanzen eine dauerhaftere Ressource für die Produktion des Proteins im großen Maßstab darstellen.

Empfehlungen für Testkits

Die Autoren sprachen auch Empfehlungen aus, die Pflanzentechnologie bei der Entwicklung von Reagenzien für Testkits, Impfstoffen und antiviralen Medikamenten voll auszuschöpfen. Eines ihrer Hauptanliegen war, dass die derzeitigen Molecular Farming-Strategien zur Linderung der Auswirkungen von COVID-19 transiente Expressionen und transgene Pflanzen, die in geschlossenen Systemen angebaut werden, beinhalten. Zwar erlauben es die geltenden Vorschriften den Wissenschaftlern, sie gegen COVID-19 einzusetzen, doch ist es notwendig, die Vorschriften für GVO, insbesondere in Europa, neu zu bewerten, um künftige Pandemien in den Griff zu bekommen.

Landwirtschaftliche Versorgung

Australien warnt vor Coronavirus-Effekten auf die Agchem-Versorgung

Die australische Behörde für Pestizide und Tierarzneimittel (APVMA) hat vor einer möglichen Unterbrechung der Versorgung mit Agrar- und Veterinärchemikalien durch den Ausbruch des Coronavirus (COVID-19) gewarnt. Die australische Regierung hat zusätzliche Grenzmaßnahmen eingeführt, die Seeschiffe betreffen können, die betroffene Länder verlassen oder durchquert haben. Diese Maßnahmen zur Verbesserung der öffentlichen Sicherheit könnten die Verfügbarkeit von Agvet-Chemikalien für den Import nach Australien beeinträchtigen, betont die APVMA.

Globale Nahrungsversorgung gestört?

Von Panikkäufen in Europa über Reis-Exportverbote in Asien bis hin zu steigenden Lebensmittelpreisen in Afrika: Die Coronavirus-Pandemie hat die Fragilität unseres globalen Ernährungssystems offengelegt, meint Dr. Ruben Echeverria in The Hill.

Die erhöhte Nachfrage, die Störungen und die Unsicherheit drohen aufgrund des Ausbruchs eine neue globale Nahrungsmittelkrise auszulösen, die in den kommenden Monaten zu weiteren Preissteigerungen, Nahrungsmittelverlusten und -knappheit sowie zu zunehmender Unterernährung und globalen Gesundheitsproblemen führen könnte.

Wie Handel, Coronavirus und Verbrauchernachfrage die Lebensmittelverteilung beeinflussen werden

Da sich die Länder weltweit immer wieder öffnen, hat die Landwirtschaft die sichtbarsten und wichtigsten wirtschaftlichen Folgen zu spüren bekommen.

Die soziale Distanzierung erzwang eine plötzliche Verlagerung auf Nahrung zu Hause und nicht mehr auf Nahrung draußen. Ausbrüche in den Verpackungsbetrieben und unter den Landarbeitern sowie Reise- und Handelsbeschränkungen riskierten Nahrungsmittelknappheit. Die geringere Nachfrage nach einigen Produkten übertraf die Angebotsbeschränkungen, was zu einem steilen Verfall der Rohstoffpreise führte. Die höhere Nachfrage nach anderen führte zu einer Bevorratung, so dass die Lebensmittelregale leer bliebenDie Lebensmittelverteilung kann sich für immer verändern. Die nächsten Monate werden kurzfristige wirtschaftliche Auswirkungen aufzeigen und Anhaltspunkte dafür liefern, was die Branche langfristig erwarten kann.

Den Vertriebsnetzen mangelt es an Agilität

Vor COVID-19 gaben die Amerikaner laut USDA-Berichten etwa die Hälfte ihres Nahrungsmittelbudgets aus und bekamen ein Drittel ihrer Ernährung in außerhäuslichen Mahlzeiten, einschließlich Restaurants sowie Arbeits- und Schulkantinen.

Fast über Nacht erzwang die Pandemie eine 50:50-Aufteilung auf fast 100 Prozent der Ernährung zu Hause, erklärt Rob Dongoski, Leiter der Agrarindustrie bei Ernst & Young LLP.
„30 Jahre lang ging das Auswärtsessen auf Kosten des Essens zu Hause“, sagt Budzynski. In den letzten 10 Jahren hat die USDA gezeigt, dass das Auswärts-Essen stets an erster Stelle stand. „Dies änderte sich augenblicklich, mit massiven Zuwächsen beim Essen zu Hause und einem Rückgang der Nachfrage in Restaurants um mehr als 80%.

Erhebliche Umsatzeinbußen

Tatsächlich hat die 300 Milliarden Dollar schwere Foodservice-Industrie aufgrund von COVID-19 einen Umsatzrückgang von 60% bis 90% erlebt, sagt Mark Allen, Geschäftsführer der International Foodservice Distributors Association.

Restaurants und andere Nicht-Lebensmittelhersteller konnten nicht sofort von der Gastronomie auf die Versorgung der Verbraucher umstellen. Die Lieferketten für den Einzelhandel und die Gastronomie sind zwar ähnlich, aber es gibt große Unterschiede, z.B. bei der Etikettierung und Größenbestimmung.

„Wenn man Millionen von Pfund Pommes Frites in 30-Pfund-Tüten für den Foodservice hat, kann man nicht einfach zum Lebensmitteleinzelhandel schwenken“, fügt Budzynski hinzu. Pakete in Jumbo-Größe, die an Restaurants verschickt werden, sind nicht einmal für Lagergeschäfte wie Costco geeignet.

Die Nachfrage bei Lebensmittelbanken ist ebenfalls sprunghaft angestiegen. Aber auch Restaurants, die ihre Vorräte nicht verkaufen konnten, wurden nicht für die Verteilung an Lebensmittelbanken eingerichtet, so dass Lagerbestände von Artikeln wie Salat verschwendet wurden, sagt Dongoski. „Die Geschehnisse zeigen einen Mangel an Beweglichkeit im gesamten Vertriebsnetz“, erklärt Dongoski.

Der Hauptvertriebskanal, der lange Zeit nur institutionelle Lebensmittel und nur wenig Markennahrung enthielt, beginnt sich langsam zu verändern, fügt Budzynski hinzu. „Er beginnt sich langsam zu korrigieren“.

Beschleunigung der Rekonfiguration des Lebensmittelsystems

Das Einzige, was sich nicht ändert, wenn es um Lebensmittel geht, ist die makroökonomische Prognose. Wenn es mehr Menschen gibt, werden mehr Lebensmittel konsumiert – niemals weniger.

Welche Arten von Lebensmitteln die Menschen konsumieren, wird Ebbe und Flut in verschiedenen Marktsegmenten verursachen, etwa wenn die Verbraucher ihre Ernährung ändern. Aber was sich von all dem grundlegend ändern wird, ist die Art und Weise, wie Lebensmittel verteilt werden.
Die Verbraucher haben den Wunsch, näher an die Produzenten heranzukommen, also suchen die Produzenten nach Möglichkeiten, ihnen näher zu kommen. Die Lieferkette ist ein komplexes Netzwerk von Knotenpunkten. Was vor der Pandemie geschah, ist ein Schritt hin zur Reduzierung der Knotenpunkte und zur Verkürzung der Lieferkette, erklärt Dongoski. „Die Verbraucher wollen mehr direkt von den Bauern kaufen“, sagt er.

Aber dies geschah bereits langsam. COVID-19 beschleunigte nur sein Tempo.

„Es hat etwas Romantisches und Patriotisches, lokal zu kaufen“, erklärt Dongoski. „Es ist ein sich beschleunigender Trend, der sich meiner Meinung nach nicht ändern wird. Wir werden nicht wieder zu 50 % in Restaurants essen gehen. Die Menschen beabsichtigen, zu Hause mehr Essen zu kochen als früher. Außerdem hat es eine stetige Verlagerung hin zu natürlicheren, frischeren Zutaten wie Obst und Gemüse gegeben.
Dies bedeutet, dass das Volumen an den Rändern der Lebensmittelgeschäfte an Bedeutung gewinnen wird, prognostiziert Dongoski.

Zusätzlich zu den Veränderungen in den Verbrauchergewohnheiten wird die gesamte globale Nahrungsmittelkette eine mehrjährige Anpassung durchlaufen – nicht nur vom COVID-19, sondern auch von dem sich verschärfenden Handelskrieg mit China, sagt Budzynski voraus. Alle Märkte sind integriert. Da die chinesische Wirtschaft 16% zum globalen Bruttoinlandsprodukt beiträgt, hat jeder Schock, der China trifft, weltweit weitaus größere Folgen.

Außerdem hat die Pandemie den Ländern die Augen für ihre eigenen Schwächen geöffnet. Die Länder werden sich fragen, ob der Import des Grossteils ihrer Nahrungsmittel die richtige Strategie ist oder ob sie die Produktion erhöhen sollten, um ihre Exposition zu begrenzen. „Zum Beispiel importieren die Vereinigten Arabischen Emirate 80% bis 90% ihrer Nahrungsmittel“, erklärt Budzynski. „Sie haben kein fruchtbares Land, aber sie haben Zugang zu Ressourcen für die Nahrungsmittelproduktion in geschlossenen Räumen. Dies wird sich auf Handelsabkommen und die nationale Stimmung in Bezug auf Protektionismus auswirken“, erklärt Budzynski.