Bodenbelastung mit Cäsium-137 in Deutschland u. Österreich. Karte + vertikale Migration in Bodenprofilen

Der Boden ist das Bindeglied bei der Ausbreitung von Radionukliden in Atmosphäre und Biosphäre. In die Umwelt eingebrachtes Radiocäsium gelangt letztlich in den Boden: er ist der Speicher für Radiocäsium und gleichzeitig die Quelle für die weitere Ausbreitung über die Nahrungskette Boden – Pflanze – Tier – Mensch (TIKHOMIROV 1988, WHITHER­SPOON 1964). Wesentliche Eintragsquellen für die Cäsium 137 Bodenbelastung in Deutschland waren die oberirdischen Atombombentest sowie der Tschernobyl-Fallout.

Entnahme von Bodenproben zur Bestimmung der radioaktiven Belastung des Bodens
Für die Bestimmung der Migration von Cäsium 137 in Waldböden wird der Boden volumenecht beprobt

Karte der Cäsium 137 Bodenkontamination von Deutschland

Die 1986 in den Böden der Bundesrepublik gemessene Cäsium-137 Flächenaktivität (ausgedrückt in Becquerel pro Quadratmeter) ist in der Abbildung 1 dargestellt. Es ist deutlich zu sehen, dass die Bodenkontamination im Süden Deutschlands wesentlich höher ist als im übrigen Teil. Diese inhomogene Verteilung ist i.w. durch die regional unterschiedlich starken Regenfälle bedingt, mit denen Cs-137 aus den kontaminierten Luftmassen ausgewaschen wurde.

Cäsium-137 Bodenkontamination in Deutschland 1986

Abb. 1: Bodenbelastung mit Cs-137 in der Bundesrepublik 1986, nach Bundesgesundheitsamt (1991)

In den Monaten unmittelbar nach dem Tschernobyl-Fallout waren Nahrungsmittel, die aus dem Freien stammten und Fleisch von pflanzenfressenden Wildtieren erhöht mit Radiocäsium belastet. Während die Radiocäsium-Kontamination in landwirtschaftlich erzeugten Grundnahrungsmitteln pflanzlicher und tierischer Herkunft schon seit einigen Jahren wieder auf das Niveau vor dem Reaktorunfall abgesunken ist, werden auch heute noch in einigen Waldgebieten vergleichsweise hohe  Cs-137 Gehalte in Beeren, Pilzen und dem Fleisch von Wildtieren festgestellt.

Diese Unterschiede in der Cs-137 Kontamination sind dadurch bedingt, dass der Transfer von Radiocäsium in Pflanzen auf landwirtschaftlich genutzten Böden durch die Fixierung von Cs-Ionen in Tonmineralen, das hohe Nährstoffangebot und den hohen pH-Wert im Boden nur gering, auf Waldböden aber, insbesondere im Auflagehumus relativ hoch ist. Darüber hinaus finden in Waldökosystemen, neben rein physikalischen (Sorption, Fixierung etc.), auch dynamisch biologische Prozesse (Streueintrag, Zersetzung etc.) statt, die die Kontamination von Vegetation und Wildtieren in komplexer Weise beeinflussen.

Wir untersuchen seit 1986 das langfristige Verhalten von Radiocäsium in ungestörten Ökosystemen, mit dem Schwerpunkt auf “Produkte aus Wäldern”.

Radiocäsium Inventar Deutschland: wieviel Gramm wurden deponiert?

Die in Deutschland nach dem Tschernobyl-Fallout insgesamt vorhandene Cäsium 137 Flächenkontamination betrug im Sommer 1986 rund 1,9 PBq. Davon stammten 1,2 PBq aus dem Tschernobyl-Fallout (EU 1996) und damit 63,2%. Daraus ergeben sich die massebezogen Inventar Daten:

Cs-137 Gesamtinventar = 594 g Cäsium 137
Davon Anteil des Tschernobyl-Fallouts = 375 g Cäsium 137

 

Räumliche Verteilung

Die räumliche Verteilung von Radiocäsium im Boden hängt i.w. von dessen Sorptionseigenschaften und der Wasserbewegung ab. Die Wasserbewegung ergibt sich aus der Niederschlagsmenge, sowie der Anzahl, Größenverteilung und Gestalt der Bodenporen. Die Sorptionseigenschaften werden von dem Anteil und der Zusammensetzung der Tonfraktion und der organischen Substanz, sowie der Austauschkapazität und dem pH-Wert des Bodens bestimmt. Diese Parameter variieren mit dem Standort, deshalb sind generalisierende Aussagen über die Reaktion von Radiocäsium im Boden kaum möglich (COUGTHRY und THORNE 1983, FRANKE 1982, KÜHN 1982, PAVLOTSKAYA et al. 1967).Cs-137 bzw. Radiocäsium in Waldböden.

Die vertikale Wanderungsgeschwindigkeit von Radiocäsium in ungestörten Böden ist relativ gering (mit Ausnahme von Sandböden und tropischen Lateritböden). Nach übereinstimmenden Ergebnissen vieler Autoren, verbleiben langfristig mindestens 80% der  Cs-Aktivität in den oberen 15 cm des Bodens (ANPA 2000, KÜHN 1982, RITCHIE und RUDOLPH 1970, SQUIRE und MIDDLETON 1966, WALTON 1963, ZIBOLD et al. 1997).

Ursachen für geringe Tiefenmigration

Die Ursache für diese geringe Tiefenverlagerung ist die Fixierung von Cäsium in den Kristallgittern von Tonmineralen. Tonminerale sind blättchenförmige Gebilde, die aus übereinander liegenden, negativ geladenen Silikatschichten aufgebaut sind. Zwischen diese Schichten werden bei Dreischichttonmineralen Kationen als Ladungsausgleich eingelagert. Cäsium- und Kaliumionen passen nach TAMURA (1963) wegen ihrer Größe und ihrer hohen Polarisierbarkeit besonders gut in diese Zwischenschichten und werden dort fixiert. Aufgrund dieser spezifischen Bindungsplätze sind sie vor Auswaschung in tiefere Bodenschichten geschützt und nur bedingt pflanzenverfügbar (FREDRIKSSON et al. 1958).

In der organischen Substanz der Waldböden erfolgt die Bindung von Kationen adsorptiv an Carboxyl- und Enolgruppen, sowie an phenolische OH-Gruppen (SCHEFFER und SCHACHTSCHNABEL 1984); spezifische Bindungsplätze für Cäsium-Ionen bestehen hier aber nicht (CREMERS et al. 1988). Deshalb ist Radiocäsium in der organischen Substanz gut pflanzenverfügbar.

Waldböden und Horizontbildung

In Waldökosystemen erfolgt durch abgestorbene Pflanzen- und Baumteile und, in geringerem Maße, auch durch abgestorbene tierische Organismen, ein kontinuierlicher Eintrag auf den Boden. Diese organische Substanz wird von Bodenorganismen zersetzt, humifiziert, teilweise in den Unterboden eingearbeitet und dann mineralisiert. Der Ablauf dieser Umsetzungsprozesse hängt, neben der jährlich produzierten Streumenge und Streuzusammensetzung, wesentlich von den Standortverhältnissen, also den Lebensbedingungen der Bodenorganismen ab. Bei günstigen Bedingungen wird bei der Streuzersetzung (hoher pH-Wert, gute Wärme- und Feuchte- und Luftverhältnisse, etc.) die organische Substanz weitgehend in den oberen Mineralboden eingearbeitet und umgesetzt, sodass keine oder nur gering mächtige humose Auflagen entstehen.

Bei ungünstigen Standortbedingungen (niedriger PH-Wert, Staunässe, geringe Wärme, dauernde Trockenheit, nährstoffarme Böden etc.) ist der Abbau der organischen Substanz verzögert bis stark reduziert, was zur Ausbildung von Humushorizonten führt, die bis zu 30 cm mächtig werden können.

Cäsium 137 verbleibt langfristig in der Humusauflage bzw. den obersten 15 cm des Bodens

Fast alle Waldbodenpflanzen und die meisten Bäume beziehen ihrer Nährstoffe überwiegend aus den obersten 15 cm des Bodens. Dies ist genau der Bereich, in dem langfristig der Großteil des im Boden vorhandenen Cs-137 Inventars verbleibt und in dem das Nuklid relativ gut pflanzenverfügbar ist.

Bei nahezu allen Untersuchungen über das Verhalten von Cäsium-137 im Boden besteht das Problem der extremen Schwankungen der spezifischen Aktivität in der zu betrachtenden Grundgesamtheit. Cs-137 wurde bei dem Tschernobyl-Fallout im April 1986, bedingt durch kleinräumige Unterschiede bei der Verteilung der Niederschläge, in der Bundesrepublik sehr ungleich deponiert. Diese inhomogene Verteilung tritt in der Regel unabhängig von der Größe des zu betrachteten Systems auf. Zum Beispiel ist die Variabilität der Flächenkontamination von Böden in der Bundesrepublik auf jeder Betrachtungsebene sehr ausgeprägt:

national → regional → lokaler Standort → Kleinstandort → Mikrobereich

Tiefenverteilung von Cs-137 in Bodenprofilen

Entnahme des Bodenprofils, Nationalpark Bayerischer Wald, September 2018. Schichtfolgen 2 cm. Humushorizonte ausgebildet.
Der Ah beginnt bei 10 cm Tiefe. Fichtenfeinwurzeln wurden mit unterschiedlicher Intensität ab einer Bodentiefe von 4 cm gefunden.

Probenahme von Boden mit einem Bohrstock in einem Fichtenwald

Abb. 2: Entnahme von Bodenproben im Nationalpark Bayerischer Wald, Entnahemdatum: 09/2018. Es liegen Messdaten über Cs-137 Aktivitäten von Hirschtrüffel und Maronen von diesem Standort vor.

Auf der Fläche wurde bereits 2002 ein Bodenprofil entnommen und auf Radiocäsium Aktivität gemessen. In den letzten 16 Jahren hat sich die Tiefenverteilung des Nuklids verändert, wie ein Vergleich der Daten 2018 vs. 2002 zeigt (Abbildung 3). Im Bodenprofil aus 2018 befindet sich mehr Cs-137 Aktivität in tieferen Bodenschichten als bei der Untersuchung in 2002. Nach wie vor konzentriert sich aber das Gro der Aktivität in dem Bereich der unteren Humusauflage – oberer Ah Horizont.
Die Ergebnisse zeigen den Trend der Migration. Eine kontinuierliche, abwärtsgerichtete Verlagerung der Aktivität im Boden. Kleinstandörtlich ist allerdings mit erheblichen Variablitäten zu rechnen, was sich auch am Cs-137 Inventar der beiden Bodenprofile zeigt (Halbwertszeit! beachten):
Inventar Cs-137 Profil 2002 : 69.886 Bq/qm (Stand 2002)
Inventar Cs-137 Profil 2018 : 67.495 Bq/qm (Stand 2018)

Abb. 3: Tiefenverteilung von Cs-137 in einem Bodenprofil aus dem Nationalpark Bayerischer Wald, Fläche NP3, Oktober 2002 und September 2018. Quelle: Daten aus 2002: www.bmu.de Seite 28 Profil NP3, 2018 eigene Daten.

In der Untersuchung 2018 waren in der letzten Bodenschicht (18 – 20 cm Tiefe) noch 3,4% des Cs-137 Inventars enthalten. Dies waren 2.309 Bq/qm. Deshalb ist das Nuklid sehr wahrscheinlich auch noch in darunter liegenden Bodenschichten vorhanden. In 2018 befanden sich 73,5% der Cäsium-137 Aktivität in 6 cm bis 14 cm Bodentiefe. Genau in diesem Bodenbereich wachsen die Fruchtkörper der Hirschtrüffel, was zu den relativ hohen Kontaminationen dieser Pilzart führt.

Die Aktivitätsmessungen wurden am Labor für Radioisotope der Universität Göttingen durchgeführt.

Untersuchungen 1986 – 2000

Cs-137 Flächenbelastung der Böden im Untersuchungsgebiet Bodenmais durch den Kernwaffen- und Tschernobyl-Fallout wurde 1989 ermittelt. Dazu wurde der Boden an 59 Rasterpunkten bis 20 cm Tiefe beprobt. Um jeden Rasterpunkt wurden, in einem Radius von 50 Metern, 10 Bohrkerne mit einem Bohrstock entnommen. Jede Bodenprobe wurde nach Humusauflage und Mineralboden getrennt und jede Schichte zu einer Mischprobe vereinigt. In der Abbildung 4 ist die Verteilung der Cs-137 Flächenaktivität der Böden, in Form von Box-Plots dargestellt.

Cäsium-137 Bodenkontamination in Bodenmais. Getrennt nach Anteilen aus dem globalen-Fallout und Tschernobyl-Fallout

Abb. 4: Flächenbezogene Cs-137 Aktivität der Böden in Bodenmais (n=59), am 1.5.1986

Der Median der Messwerte war 51.800 Bq/qm, die mittlere Cs-137 Belastung der Böden betrug 53.690±26.690 Bq/qm (X±SD), reichte jedoch von 12.090 Bq/qm bis 146.480 Bq/qm.  Mit diesem Cs-137 Inventar des Bodens gehört das Untersuchungsgebiet Bodenmais zu den höchst belasteten Gebieten der Bundesrepublik.

Der größte Teil der Cs-137 Aktivität geht auf den Tschernobyl-Fallout zurück: 1986 wurden durchschnittlich 45.160 Bq/qm auf dem Boden deponiert. Als Minimum wurden 6.740 Bq/qm, als Maximum 145.130 Bq/qm festgestellt, der Median lag bei 44.990 Bq/qm. Die mittlere Cs-137 Aktivität, die am 1. Mai 1986 infolge des globalen Fallouts noch im Boden vorhanden war, betrug 8.530±4.660 Bq/qm, der Median lag bei 8.080 Bq/qm. Die Spannweite der Messwerte war auch hier relativ groß, es wurden Aktivitäten zwischen 1.330 Bq/qm und 23.040 Bq/m2festgestellt. Die Variationskoeffizienten betrugen für Cs-137 aus den Altlasten 55%, aus dem Tschernobyl-Fallout 57%.

Bodenkontamination der Dauerprobeflächen

Aufgrund der sehr hohen Variabilität von Cs-137 in den jeweiligen Biomedien, wurde die räumliche Verteilung und das langfristige Verhalten des Nuklids in Boden, Pflanzen, Bäumen und Pilzen ausschließlich auf den 1987 eingerichteten 100×100 m großen Dauerprobeflächen untersucht. Die Probeflächen werden im folgenden als B1 und B2 (Bodenmais), F1 (Fuhrberg) und G1 (Göttingen) bezeichnet.
Die Flächenaktivität des Bodens war, entsprechend dem Nord-Süd Gefälle der Cs-137 Kontamination in der Bundesrepublik (link), auf den Probeflächen B1 mit 98.450 Bq/ qm und B2 mit 83.370 Bq/qm deutlich höher, als auf F1 mit 10.320 Bq/qm und G1 mit 5.450 Bq/qm.

Tiefenverteilung von Cs-137 in Bodenprofilen

Auf den Probeflächen B1 und F1 wurden seit 1989, in mehrjährigen Abständen Bodenprofile entnommen und die vertikale Verteilung von Cs-137 ermittelt.
Die Mächtigkeit des Auflagehumus variierte auf den Flächen B1 und F1 zwischen 2 und 8 cm, bei einer mittleren Dicke von 4 cm. Die Ol, Of und Oh Horizonte sind deutlich voneinander abgegrenzt und gut zu unterscheiden. Auf der Probefläche G1 liegt als Auflagehumus nur ein Ol-Horizont vor.
Die insgesamt in den Profilen vorhandene Cs-137 Aktivität, also das Gesamtinventar pro Profil, reichte von 5.450 Bq/qm2 auf G1 bis 73.200 Bq/qm auf B1.

In Bodenprofilen aus den drei Untersuchungsgebieten befanden sich in den Jahren 2000/2001, durchschnittlich noch 56% des Cs-137 Inventars in den obersten 10 cm und 93% in den obersten 20 cm. Als Beispiel ist in der Abbildung 5 die volumenbezogene Tiefenverteilung von Cs-137, bezogen auf die insgesamt in dem Bodenprofil enthaltene Aktivität eines Profils der Fläche B1 dargestellt. Deutlich ist zu sehen, das sich der überwiegende Teil des Cs in den obersten 10 cm des Bodens befindet. Dies ist genau der Bodenbereich, aus dem die meisten Waldpflanzen und auch Bäume ihre Nährstoffe aufnehmen. Da Cäsium in der Humusauflage wesentlich besser pflanzenverfügbar ist als im Mineralboden, ist der Transfer des Nuklids in Pflanzen auf Waldstandorten langfristig gesehen relativ hoch. Da sich viele Wildtiere von diesen Waldpflanzen ernähren, sind sie in den von dem Tschernobyl-Fallout besonders betroffenen Gebieten ebenfalls erhöht mit Radiocäsium kontaminiert.

Cäsium-137 Tiefenverteilung in einem Bodenprofil, Bodenmais 2001

Abb. 5: Tiefenverteilung der volumenbezogenen Cs-137 Aktivität in dem Profil V auf der Dauerprobefläche B1, Mai 2001 aus dem Untersuchungsgebiet Bodenmais

Dynamik

Um die Dynamik der vertikale Migration von Cs-137 Ionen im Bodenprofil zu untersuchen, wurde die Tiefenverteilung des Nuklids im Abstand von mehreren Jahren bestimmt. In der Abbildung 6 ist die Verteilung von Cs-137 in Bodenprofilen auf der Fläche B1, von 1989 bis 2001 dargestellt. Da die Cs-137 Flächenaktivität auf dieser Probefläche um mehrere Tausend Bq/m2 schwankt, ist jeweils der prozentuale Cs-137 Anteil pro 2 cm Schicht und pro Quadratmeter dargestellt. Die Skalierung der Abszisse wurde logarithmisch gewählt.

Cäsium-137 vertikale Migration im Waldboden, Bodenmais, Entwicklung 1980 - 2001

Abb. 6: Zeitlicher Verlauf der Tiefenverteilung von Cs-137 in Bodenprofilen der Probeflächen B1, von 1989 – 2001

Jedes Symbol stellt die mittlere prozentuale Verteilung des Nuklids in der entsprechenden Tiefenstufe von jeweils 3 Profilserien dar. Der Aufwand bei der Entnahme von Bodenprofilen ist erheblich, für die dargestellten Ergebnisse der Probefläche B1 wurden insgesamt 1.310 einzelne 2 cm Bodenschichten geschnitten.

Während des Untersuchungszeitraumes stieg die Cs-137 Aktivität in jedem Profil zunächst in den ersten 3 Schichtstufen an, erreicht bei 4 bis 6 cm Tiefe das Maximum und nimmt dann im darunter liegenden Boden, von Schichtfolge zu Schichtfolge kontinuierlich ab. Die Bodentiefe 0 bis 6 cm entspricht etwa der Humusauflage, die jeweils zwischen 2 und 8 cm schwankt.
Die Verteilung von Cs-137 in der Humusauflage war der Verteilung im Mineralboden grundsätzlich entgegen gesetzt:
Zunahme der Aktivität in der Humusauflage mit der Tiefe (Ol → Of → Oh-Horizonte) und Abnahme der Aktivität mit zunehmender Tiefe im Mineralboden.

Tiefenverlagerung

Die Migration des Nuklids erfolgte mit der Zeit, durch sukzessive Verlagerung von Cs-137-Ionen aus jedem 2 cm Kompartiment, in das darunter liegende. In der Humusauflage war dabei der Verlust an Aktivität pro Bodenschicht fast immer größer als die Zunahme durch das vorhergehende Kompartiment. Dagegen ist in den aufeinander folgenden Kompartimenten des Mineralbodens die Zunahme der Cs-137 Aktivität jeweils höher als die Abgabe.
Die Schnittstelle in diesem Migrationsprozess liegt auf der Probefläche B1 in der Bodenschicht 6-8 cm, das ist durchschnittlich der obere Bodenbereich des Ah-Horizontes, also der Bereich unterhalb der Humusauflage. In dieser Schicht veränderte sich die Flächenaktivität kaum, hier befinden sich auf B1 langfristig 16 bis 17%, der insgesamt in den Profilen vorhandenen Aktivität. Die Konstanz dieser Werte bedeutet aber nicht, dass an dieser Stelle keine Migration von Cs-137 Ionen erfolgt, vielmehr ist die Dynamik hier am größten, vergleichbar mit der engsten Stelle einer Eieruhr.

Österreich Bodenkontamination mit Cäsium 137

Österreich gehört zu den Ländern, die in Europa besonders von dem Tschernobyl-Fallout betroffen sind. Das Land hat relativ zeitnah nach dem Tschernobyl-Fallout die Kontamination der Böden durch Cäsium 137 untersucht. Das österreichische Strahlenfrühwarnsystem hatte bereits zuvor einen groben Überblick der Strahlensituation aufgrund der Messwerte von 336 Messstellen geliefert.
Eine umfangreiche Zusammenfassung der Arbeiten wurde 1996 unter dem Titel „Cäsiumbelastung der Böden Österreichs“ veröffentlicht. Die Daten umfassen die Auswertung von 2115 Bodenproben bzw. Standorten. Die Probenahme erfolgte volumenecht mit einem Bohrstock. Alternativ wurde die Aktivität auch via In-situ-Gammaspektrometrie ermittelt. Dadurch konnte die Cs 137 Bodenbelastung als flächenbezogene Aktivitätskonzentration berechnet und entsprechend grafisch dargestellt werden. Die Ergebnisse sind in der Abbildung 7 zerfallskorrigiert auf den 1. Mai 2016 dargestellt.

Bodenkontamination durch Cäsium 137 in Österreich

Abb. 7: Cäsium 137 Bodenkontamination in Österreich. Daten zerfallskorrigiert auf den 1. Mai 2016. Quelle: Ministerium Nachhaltigkeit und Tourismus & Umweltbundesamt.

Die folgenden Angaben beziehen sich auf 1. Mai 1986. Der Grund dafür ist, dass Messdaten aus verschiedenen Jahren ausgewertet wurden. Durch die Zerfallskorrektur entsteht ein einheitlicher Bezugsrahmen. Der Mittelwert der Cäsium-137 Bodenkontamination betrug in Österreich 21 kBq/m2 (Quelle: Umweltbundesamt). Davon stammten 18,7 kBq/m2 aus dem Tschernobyl-Fallout und 2,3 kBq/m2 aus dem globalen Fallout der oberirdischen Atombombentests in den vierziger und fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts. Die maximale Bodenkontamination betrug 154 kBq Cs-137/m2. Besonders hohe Belastungen traten in einigen Gebieten der Hohen Tauern, Salzkammergut, Waldviertel und Koralpe auf.

Aus diesen Daten errechnet sich für Österreich ein insgesamt vorhandenes Cäsium 137 Inventar von 1,76 PBq (1 PBq = 1.0E+15 Bq): Unter Berücksichtigung der spezifischen Aktivität pro Gramm (auf die Masse bezogene Aktivität) von 3,2×1012 Bq pro Gramm folgt daraus ein massebezogenes Cäsium-137 Inventar für Österreich von 550 g. Davon stammten 490 g aus dem Tschernobyl-Fallout und 60 g Cs-137 aus dem Atombombenfallout.

Cs 137 Depositionen, Karten, Messwerte von Böden einzelner Bundesländer

Die Daten der in Abbildung 1 dargestellte Karte der Radiocäsiumkontamination wurde maßgeblich vom ehemaligen Institut für Wasser-, Boden- und Lufthygiene erstellt. Das legendäre „WaBoLu“ unterstand 1986 dem Bundesgesundheitsamt und wurde nach mehreren Umstrukturierungen 1999 in das Umweltbundesamt integriert. In Bayern wurden die Probenahme überwiegend von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) durchgeführt.
In der Abbildung 8 sind die Probenahmeorte bzw. Messpunkte zu den Daten in Abbildung 1 dargestellt.

Messpunkte für die Cäsium-137 Bodenkontamination Gesamtkarte von Deutschland

Abb. 8: Messpunkte für die in Gesamtkarte der Cäsium 137 Bodenkontamination von Deutschland erhobenen Daten.

Bodenbelastung von Bayern mit Cäsium 137

In Bayern ist das Radiocäsium-Inventar höher als in allen anderen Bundesländern. In der Abbildung 9 ist die Bodenkontamination mit Cs-137 in Bayern dargestellt. Deutlich zu sehen ist die ungleiche Verteilung der Aktivität. Ursache dafür sind die unterschiedlichen Niederschlagsverhältnisse in den Tagen nach dem 26. April 1986.

Bayern Cäsium 137 Bodenkontamiation

Abb. 9: Cäsium Deposition von Böden in Bayern durch den Tschernobyl-Fallout mittels „In-situ“-Messungen in Bq/m2 zerfallskorrigiert auf den 1. Mai 1986. Blaue Balken = Cs 137, violette Balken = Cs 134. Quelle: lfu.bayern.de

Besonders hohe Bodenbelastungen mit Cäsium 137 wurden im Bayerischen Wald (Raum Bodenmais, Zwiesel und Bayerisch Eisenstein), im Raum Berchtesgaden, Garmisch Partenkirchen und im Gebiet zwischen Augsburg und Ingolstadt. In diesen Gebieten war das Cäsium 137 Bodeninventar im Sommer 1986 teilweise über 100.000 Bq Cäsium 137 pro Quadratmeter. Demgegenüber war der nördliche Teil von Bayern deutlich geringer, meist unter 30.000 Bq/m2 kontaminiert.

Ackerböden von Bayern

Bayern publiziert regelmäßig online Messdaten zur allgemeinen Umweltradioaktivität. In der Tabelle 1 sind Bodenkontaminationen von Ackerböden angegeben.

Tab. 1: Cäsium 137 Aktivität von Ackerböden aus Bayern von 2017 – 2019. Quelle: Bayerisches Landesamt für Umwelt

Probenahme Landkreis der Probenahme Cäsium 137 [Bq/kg Trockengewicht]
19.09.2019 Kelheim, Landkrs.   13
18.09.2019 München, Landkrs.   41
18.09.2019 Dachau, Landkrs.   25
16.04.2019 Altötting, Landkrs.   23
16.04.2019 Rottal-Inn, Landkrs.   31
16.04.2019 Landshut, Landkrs.   48
16.04.2019 Dingolfing-Landau, Landkrs.   19
21.03.2019 Aichach-Friedberg, Landkrs.   42
21.03.2019 Donau-Ries, Landkrs.   13
21.03.2019 Günzburg, Landkrs.   12
21.03.2019 Unterallgäu, Landkrs.   59
20.03.2019 Weißenburg-Gunzenhausen, Landkrs.   29
20.03.2019 Ansbach, Landkrs.   9,3
06.03.2019 Deggendorf, Landkrs.   17
06.03.2019 Straubing-Bogen, Landkrs.   7,7
26.02.2019 Kronach, Landkrs.   16
25.02.2019 Hof, Landkrs.   13
25.02.2019 Tirschenreuth, Landkrs.   8,3
25.02.2019 Schwandorf, Landkrs.   7,8
21.02.2019 Bayreuth, Landkrs.   5,9
21.02.2019 Amberg-Sulzbach, Landkrs.   6,7
21.02.2019 Schwandorf, Landkrs.   3,0
21.02.2019 Regensburg, Landkrs.   17
18.02.2019 Kitzingen, Landkrs.   5,8
18.02.2019 Bad Kissingen, Landkrs.   5,7
18.02.2019 Bamberg, Landkrs.   17
15.02.2019 Miltenberg, Landkrs.   4,7
15.02.2019 Würzburg, Landkrs.   11
15.02.2019 Schweinfurt, Landkrs.   5,7
13.09.2018 Altötting, Landkrs.   26
12.09.2018 Kelheim, Landkrs.   13
12.09.2018 Neuburg-Schrobenhausen, Landkrs.   140
18.04.2018 Landshut, Landkrs.   58
18.04.2018 Rottal-Inn, Landkrs.   29
18.04.2018 Deggendorf, Landkrs.   21
17.04.2018 Straubing   8,2
17.04.2018 Dingolfing-Landau, Landkrs.   28
11.04.2018 München, Landkrs.   38
11.04.2018 Dachau, Landkrs.   19
16.03.2018 Schwandorf, Landkrs.   7,7
16.03.2018 Tirschenreuth, Landkrs.   8,8
16.03.2018 Hof, Landkrs.   11
16.03.2018 Kronach, Landkrs.   19
16.03.2018 Bayreuth, Landkrs.   6,6
15.03.2018 Weißenburg-Gunzenhausen, Landkrs.   28
15.03.2018 Ansbach, Landkrs.   9,9
14.03.2018 Bad Kissingen, Landkrs.   6,7
14.03.2018 Unterallgäu, Landkrs.   59
14.03.2018 Günzburg, Landkrs.   15
14.03.2018 Kitzingen, Landkrs.   5,1
14.03.2018 Donau-Ries, Landkrs.   13
14.03.2018 Bamberg, Landkrs.   16
14.03.2018 Aichach-Friedberg, Landkrs.   43
08.03.2018 Amberg-Sulzbach, Landkrs.   6,5
08.03.2018 Schwandorf, Landkrs.   3,9
08.03.2018 Regensburg, Landkrs.   16
07.03.2018 Würzburg, Landkrs.   8,9
07.03.2018 Schweinfurt, Landkrs.   5,1
07.03.2018 Miltenberg, Landkrs.   5,0
25.10.2017 Kelheim, Landkrs.   14
25.10.2017 Neuburg-Schrobenhausen, Landkrs.   170
19.10.2017 Altötting, Landkrs.   28
05.04.2017 München, Landkrs.   42
05.04.2017 Dachau, Landkrs.   23
29.03.2017 Landshut, Landkrs.   56
29.03.2017 Rottal-Inn, Landkrs.   29
29.03.2017 Deggendorf, Landkrs.   18
28.03.2017 Straubing   9,2
28.03.2017 Dingolfing-Landau, Landkrs.   29
16.03.2017 Donau-Ries, Landkrs.   13
16.03.2017 Aichach-Friedberg, Landkrs.   54
15.03.2017 Unterallgäu, Landkrs.   53
15.03.2017 Günzburg, Landkrs.   12
14.03.2017 Weißenburg-Gunzenhausen, Landkrs.   29
14.03.2017 Ansbach, Landkrs.   8,1
08.03.2017 Regensburg, Landkrs.   17
08.03.2017 Amberg-Sulzbach, Landkrs.   7,0
08.03.2017 Bayreuth, Landkrs.   5,5
03.03.2017 Schwandorf, Landkrs.   8,2
03.03.2017 Schwandorf, Landkrs.   3,2
03.03.2017 Hof, Landkrs.   13
03.03.2017 Tirschenreuth, Landkrs.   8,9
03.03.2017 Kronach, Landkrs.   16
27.02.2017 Bad Kissingen, Landkrs.   5,9
27.02.2017 Kitzingen, Landkrs.   5,2
27.02.2017 Bamberg, Landkrs.   16
16.02.2017 Miltenberg, Landkrs.   5,5
16.02.2017 Würzburg, Landkrs.   8,9
16.02.2017 Schweinfurt, Landkrs.   5,3

Die mittlere Cäsium 137 Aktivität der Ackerböden betrug im Unterscuhungszeitraum 21,3 Bq/kg, bei einem Minimalwert von 3 Bq/kg und einem Maximalwert von 170 Bq/kg.

Bodenkontamination von Niedersachsen

Niedersachsen ist durch den Tschernobyl-Fallout deutlich weniger betroffen als Süddeutschland. Nur lokal sehr eng begrenzt wurden hier Aktivitäten zwischen 10.000 bis 20.000 Bq/m2 gemessen (Gebiete zwischen Hannover und Celle, Raum Osnabrück und Harz (Angaben beziehen sich auf den 1. Mai 1986). Im übrigen Landesteil betrug die Cäsium 137 Flächenaktivität weniger als 10.000 bis 20.000 Bq/m2. Weitere Informationmen zu Kontamination von Waldböden in Niedersachsen geben Fortmann und Meesenburg 2009.

Cäsium 137 Bodenkontamination von Niedersachsen als Karte

Abb. 10: Karte der Cäsium 137 Bodenkontamination im Mai 1986 von Niedersachsen. Quelle: Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz

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Die Arbeiten wurden teilweise mit Mitteln des ehemaligen Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit finanziert.
Diesbezügliche Texte geben die Auffassung und Meinung des Auftragnehmers wieder und müssen nicht mit der des Bundesumweltministeriums übereinstimmen.