Das Wildschwein – Steckbrief: Verhalten, Gewicht und Lebensräume von Schwarzwild

Sie werden selten gesehen, aber ihre Spuren sind oft auf dem Boden im Wald oder an Wegrändern sichtbar. Wobei hier mit Spuren nicht wirklich die Fährten, sondern Wühlstellen gemeint sind. Es handelt sich um das Wildschwein. In den Medien und in der Forschung genießen die borstigen Säugetiere in den letzten Jahren steigendes Interesse (Wildschweine in Berlin, Köln usw.). Die Ursache dafür ist ihr vermehrtes Auftreten, auch in urbanen Gebieten. Aufgrund der Wühlaktivität in Böden und Kulturflächen kann das zu Konflikten führen. Beispielsweise wenn Schwarzwild in Nutzgärten einfällt oder Teile von Spielplätzen und Friedhofsanlagen „verwüstet“. Da Wildschweine aufgrund der starken Bejagung überwiegend nachtaktiv sind, fallen sie bei Tageslicht kaum auf. Hier finden Sie Informationen zur Strahlenbelastung von Wildschweinen.

Ein Wildschwein Familienverband - Die Rotte

Steckbrief: Das Wildschwein

  • Lateinischer Name: Sus scrofa
  • Widerristhöhe: 1 m
  • Körperlänge: 1,5 m
  • Körpergewicht: Männlich 40 – 200 kg, weiblich 70 – 150 kg. In Deutschland erwachsene männliche und weibliche Tiere durchschnittlich etwa bei 55 kg.
  • Paarungszeit: Oktober – Dezember
  • Tragzeit: 114 Tage
  • Alter: 15 – 20 Jahre in Gefangenschaft, 10 Jahre in freier Wildbahn, wobei sie in Deutschland jagdbedingt durchschnittlich nur ca. 2,5 Jahre leben. Link > Jagdstrecken
  • Hauptmortalitätsursache: Jagd
  • Gruppenstruktur: erwachsene weibliche Tiere und Jungtiere leben in Gruppen zusammen, während pubertierende und junge Männchen Junggesellen Trupps bilden, adulte Männchen leben dagegen überwiegend alleine
  • Nahrung: Allesfresser (Omnivore), wobei der Schwerpunkt auf pflanzliche Nahrung liegt
  • Synonyme: Sauen, Schwarzwild, Schwarzkittel
  • Feinde: Wolf, Luchs

Paarung = Rauschzeit

Die Paarung der Wildschweine kann prinzipiell ganzjährig erfolgen, wie das gestaffelte Alter vieler Frischlinge belegt. Die Hauptpaarungszeit ist aber der Herbst bis zum Winteranfang von Oktober bis Dezember/Januar. Entsprechend wird der überwiegende Teil der Frischlinge im Frühjahr geboren.
Sexuelle Aktivität und Testosteronproduktion werden durch eine Verringerung der Tageslänge und weiteren Faktoren ausgelöst und erreichen zur Paarungszeit (Jägersprache Rauschzeit) den Höhepunkt. In der Rauschzeit schließen sich männliche Wildschweine, die normalerweise einzeln oder in lockeren Gruppen mit anderen Männchen leben, weiblichen Gruppen an.

Tragzeit

Die Tragzeit beträgt durchschnittlich 114 Tage.

Jägersprache für Alter und Geschlecht

Die Jägersprache beschreibt präzise das Geschlecht und die Zugehörigkeit zu einer Altersklasse:

Frischling = junges Wildschwein, von der Geburt bis zum Ende des ersten Lebensjahres (Google Suche auch Baby Wildschein)

Überläufer = Wildschwein von Beginn bis Ende des zweiten Lebensjahr, wobei weibliche Überläufer und männliche Überläufer oft getrennt erfaßt werden.

Bache = weibliches Wildschwein ab dem 3. Lebensjahr (25 Monate und älter)

Keiler = männliches Wildschwein ab dem 3. Lebensjahr (25 Monate und älter)

Altersklassen von Wildschweinen - Erklärung und schematischer Überblick, wann ein Frischling zum Überläufer und später zu Bache oder Keiler wird

Die Altersklassen in der Übersicht

Bezeichnung Bedeutung Lebensjahr jagdlich übliche Einteilung Teilnahme an Paarung
Frischling weiblich Baby, Kind, junges Wildschwein 1. ja, mehr als 50% der Tiere
Frischling männlich Baby, Kind, junges Wildschwein 1. 31. März des auf die Geburt folgenden Jahres nein
Überläufer weiblich, Überläuferbache halbstarkes Tier 2. 1.4 nach Geburtsjahr bis 31. März Folgejahr ja
Überläufer männlich, Überläuferkeiler halbstarkes Tier 2. 1.4 nach Geburtsjahr bis 31. März Folgejahr kaum Chancen gegen Keiler
Bache erwachsenes weibliches Tier ab 3. ab 1.4 des auf die Geburt übernächste Jahr ja
Keiler erwachsenes männliches weibliches Tier ab 3. ab 1.4 des auf die Geburt übernächste Jahr ja

Gewichte und Gewichtsentwicklung: Die Gewichtszunahme mit dem Alter

Bei der Geburt wiegen die Frischlinge etwas 600 – 1100 g. Innerhalb weniger Monate legen die jungen Schweine ordentlich an Gewicht zu und wiegen bald 20 -30 kg. Die Gewichtszunahme ist wesentlich vom verfügbaren Nahrungsangebot und den Wetterbedingungen abhängig.

Abgesehen von einigen wenigen Forschungsvorhaben gibt es kaum Daten zur Gewichtsentwicklung von Wildschweinen. Der Grund dafür ist der Aufwand, um lebende Tiere zu wiegen. Die Jäger ermitteln üblicherweise das Aufbruchgewicht. Dabei handelt es sich um das Lebendgewicht ohne Innereien. Das Aufbruchgewicht beträgt laut Briedermann (1986) rund 80% des  Lebendgewichts.

Aufbruchgewicht = Lebendgewicht ohne Innereien

Generell gilt:

  • Das Gewicht von Wildschweinen schwankt in Abhängigkeit von der Jahreszeit und dem verfügbaren Nahrungsangebot
  • Mit zunehmendem Alter steigt das Gewicht stetig an. Im hohen Alter erfolgt keine Gewichtszunahme mehr
  • Innerhalb einer lokalen Population und sogar innerhalb einer jagdlichen Klasse ist die Schwankungsbreite der Gewichte groß

In der Abbildung 1 ist die Gewichtsentwicklung von Wildschweinen im Verlauf des Lebens dargestellt.

Entwicklung der Gewichte von Wildschweinen im Lebenszyklus

Abb. 1: Entwicklung der Gewichte (Aufbruchgewichte) von Wildschweinen nach Briedermann (1986). Daten aus der DDR von 1976 – 1980, n=4.340

Gewichtszunahme mit zunehmendem Alter

Die Grafik zeigt deutlich die Gewichtszunahme mit zunehmendem Alter, sowohl bei männlichem, als auch bei weiblichem Schwarzwild. Die Gewichte in Kilogramm im Detail nach Briedermann (1986) sind in der Tabelle 1 dargestellt.

Tab. 1: Gewichtsentwicklung von Wildschweinen in Abhängigkeit von Geschlecht und Lebensalter

Quartal männlich weiblich
[kg] [kg]
1 0 0
2 4,37 5,28
3 12,82 11,65
4 24,1 23,32
5 26,34 25,75
6 35,01 29,22
7 47,04 38,54
8 56,21 51,89
9 50,71 50,49
10 54,11 43,69
11 70,43 53,26
12 69,48 62,7
13 58,6 62,39
14 68,4 50,67
15 82,13 61,53
16 80,12 65,86
17 67,09 69,13
18 80,25 52,33
19 111,22 60,57
20 100,39 71,31
21 71,32 72,53

In den ersten 2 Lebensjahren erfolgt bei den Wildschweine eine kontinuierliche Gewichtszunahme mit steigendem Alter. Wenn Sie dann erwachsen sind, nehmen die Gewichte weiter zu, allerdings mit typischen saisonalen Schwankungen.

Wesentlichen Einflussfaktoren

Die wesentlichen Einflussfaktoren auf die Gewichtsentwicklung sind:

  • verfügbare Nahrung, mit besonderer Bedeutung der Baummast
  • Wetterentwicklung
  • Paarungszeit
  • Geburt

Verbreitung und Lebensraum von Schwarzwild

Nur wenige große Säugetiere kommen mit so unterschiedlichen Habitaten zurecht wie die Wildschweine. Deshalb kommen sie u. a. in ganz Europa vor. Abgesehen von den Hochgebirgen ist die Art dabei auch bisher nicht bewohnte Gebiete zu besiedeln. In Schweden und Norwegen expandiert die Art trotz niedriger Temperaturen im Winter weiter nach Norden (Malmsten 2016, Rosvold und Andersen 2008, The Norwegian Scientific Committee for Food and Environment 2018.

Wildschweine halten sich gern in Wäldern auf, da diese Schutz und Nährstoffe bieten. Durch den in den letzten Jahrzehnten verstärkten Maisanbau finden die Tiere während von Sommer bis zur Erntezeit auch auf solchen landwirtschaftlichen Flächen geeignete Lebensbedingungen.

Wichtige allogene Ökosystem-Ingenieure

Die Nahrungssuche im Boden führt zu einem Umbruch von tierischen und pflanzlichen Gesellschaften. Sukzessionsstadien von Pflanzengesellschaften werden abrupt verändert. Im Fall eines Waldbodens wird der Wasserhaushalt einer „gewachsenen“ Humusstruktur zerstört, was auch Auswirklunge auf die Wasserversorgung von Sträuchern und Bäumen haben kann. In wie weit Wildschweine die Zersetzungsrate der Laubstreu in Wäldern beeinflussen ist aktuell nicht bekannt. Besonders im Herbst und Winter ist die Wühlaktivität der Wildschweine hoch. Schwarzwild zählt aufgrund dieser Aktivitäten zu den wichtigen allogenen Ökosystem-Ingenieuren (Begriff: Jones et. a. 1994): Wildschweine wirken so in vielfältiger Weise auf Waldökosysteme und Wiesen, indem sie Ihren Lebensraum verändern, zerstören oder umgestalten und damit andere Organsimen beeinflussen.

Afrikanische Schweinepest

Jetzt also auch bei deutschen Wildschweinen: Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist erstmals bei einem Wildschwein am 10. September 2020 in Brandenburg und am 31. Oktober 2020 in Sachsen nachgewiesen worden.

Das afrikanische Schweinepestvirus ist der Erreger der afrikanischen Schweinepest (ASP). Das Virus (ein doppelsträngiges DNA-Virus). Es verursacht ein hämorrhagisches Fieber mit hohen Sterblichkeitsraten bei Hausschweinen und Wildschweinen. Die natürlichen Wirte sind Wildschweine Zecken, die wahrscheinlich als Vektor fungieren. Es verursacht beim Menschen keine Krankheiten. ASP ist in Afrika südlich der Sahara endemisch und kommt in freier Wildbahn durch einen Infektionszyklus zwischen Zecken und Wildschweinen vor. Wildschweine stecken sich vermutlich schnell durch Kontakt mit Artgenossen an. Eine weitere wichtige Infektionsquelle ist infizierte Nahrung.

Die Krankheit wurde erstmals beschrieben, nachdem europäische Siedler Schweine in Gebiete gebracht hatten, in denen ASP endemisch ist, und ist als solches ein Beispiel für eine aufkommende Infektionskrankheit.

Verbreitung

Die Afrikanische Schweinepest ist insbesondere in Osteuropa verbreitet. Die Abbildung 3 zeigt den Stand der ASP-Verbreitung in Europa anhand einer Karte des Friedrich-Loeffler-Instituts vom 30.10.2020.

ASP Karte - Verbreitung der Afrikanischen Schweinepest

Abb. 3: Verbreitung der Afrikanischwen Schweinepest (ASP) in Deutschland und Europa. Quelle: fli.de

Forschung & Wissenschaft

Hier sind aktuelle und ältere Ergebnisse von Forschungsvorhaben zu verschiedenen Themen zur Ökologie von Wildschweinen aufgeführt.

Afrikanische Schweinepest

Forensik – Schätzung des postmortalen Intervalls von Wildschweinkadavern
Das Wissen über das postmortale Intervall (PMI) von Wildschweinkadavern (Sus scrofa) ist für den Fall eines Ausbruchs der afrikanischen Schweinepest in einer Wildschweinpopulation von entscheidender Bedeutung. Daher ist ein gründliches Verständnis des Abbauprozesses dieser Art in verschiedenen Mikrohabitaten erforderlich. Wir beschreiben den Zersetzungsprozess von Schlachtkörpern, die in Käfigen ausgesetzt sind. Quelle: uni-frankfurt.de

PMI Studien

In Zersetzungsstudien werden Schweine häufig als Stellvertreter für menschliche Leichen in der Forensik verwendet. Unterschiede in den Zersetzungssequenzen / -raten im Vergleich zum Menschen wurden jedoch nicht wissenschaftlich untersucht. Beschreibungen von fünf Hauptzersetzungsstadien (Menschen) wurden von Galloway et. al 1989 und später von Megyesi et. al (2005) entwickelt und verfeinert. Ob diese Veränderungen / Prozesse bei Schweinen gleich sind, ist jedoch unklar. Unterschiede können erhebliche Auswirkungen haben, wenn Schweinemodelle für die PMI-Schätzung beim Menschen verwendet werden.

In einer Studie von Keough et. al 2016  wurden menschliche Zersetzungsmodelle mit den bei Schweinen beobachteten Veränderungen verglichen. Zwanzig Schweine (50-90 kg) wurden über fünf Monate zersetzt und Zersetzungsmerkmale aufgezeichnet. Die Gesamtkörperwerte (TBS) wurden berechnet. Während der frühen Zersetzung zwischen Schweinen und Menschen wurden signifikante Unterschiede beobachtet. Ein geändertes Bewertungssystem zur Verwendung in zukünftigen Studien wurde entwickelt. Aus Schweinemodellen abgeleitete Standards für die PMI-Schätzung gelten möglicherweise nicht direkt für den Menschen und müssen möglicherweise angepasst werden. Schweinemodelle bleiben jedoch wertvoll, um Variablen zu untersuchen, die die Zersetzung beeinflussen.

Raumnutzung, GPS Telemetrie, Raum-Zeit Verhalten und Home Range

Habitatanalyse

In einer Arbeit zur Habitatanalyse von Wildschweinen untersuchte Schindeldecker (2010) die Raumnutzung von Wildschweinen mit GPS-Halsbändern im Pfälzer-Wald. Die Autorin ermittelte mit der GPS-Telemetrie 2007 die Habitate von 5 Wildschweinen. Ziel der Arbeit war die Bestimmung der Tages-und  Nachthabitate der Wildschweine und ob sich die Nutzung von Keiler und Bachen unterscheiden.

Schindeldecker fasst die Ergebnisse wie folgt zusammen:
„Die  Ergebnisse  zeigen,  dass  sowohl die  drei Bachen  als  auch die  beiden Keiler  ihre Habitate  nicht  willkürlich,  sondern  nach  bestimmten  Umweltfaktoren  auswählen.  Der wichtigste Faktor für die Wahl eines Tageshabitats ist in der vorliegenden Arbeit ein hoher Deckungsgrad. Die  untersuchten Bachen  bevorzugen  zudem  u.a.  die  Nähe  zu  Gewässern und  Freiflächen(Größe >  1000  m²),  Keiler  hingegen  die  Nähe  zu  Lichtungen (Größe < 1000m²) und  Grünstreifen.  Der  größte  Unterschied  zwischen  den  Tageshabitaten  von Bachen  und  Keilern  liegt  in  der  Inklination.  Bachen  meiden  im  Gegensatz  zu  Keilern Steilhänge.

Der wichtigste Faktor für die Wahl der Nachthabitate der Bachen ist die Nähe zu  Gewässern. Ebenso bevorzugen sie auch  nachts die  Nähe  zu  Freiflächen und  meiden Steilhänge. Ihre Nachthabitate  liegen  bevorzugt  abseits  von  viel  genutzten  Wegen  in höheren  Lagen. Die  Nachthabitate unterscheiden sich  in  verschiedenen  Umweltfaktoren signifikant  von  den  Tageshabitaten.  Der  größte  Unterschied  ergibt  sich  für  die Deckung, die  nachts  von  geringerer  Bedeutung  ist. Die  Ergebnisse  stimmen  weitgehend  mit  den Angaben aus anderen Untersuchungen in anderen Lebensräumen überein.“

Keuling O., Stier N. 2006: Schwarzwild
Untersuchungen zu Raum- und Habitatnutzung des Schwarzwildes (Sus scrofa L. 1758) in Südwest-Mecklenburg unter besonderer Berücksichtigung des Bejagungseinflusses und der Rolle älterer Stücke in den Rotten
Abschlussbericht 2002-2006

Obwohl das fast weltweit verbreitete Wildschwein Sus scrofa eine gut untersuchte Art ist, ist wenig über das Verhalten von autochthonen, frei lebenden Wildschweinen in einem raumzeitlichen Kontext bekannt, das dazu beitragen kann, Wildschweine im Konflikt mit Menschen besser zu verstehen und Lösungen zu finden.

Einfluss von Wildschweinen auf Waldökosysteme

Einfluss auf Food-chain length (FCL) bei Arthropden

In einer aktuellen Studie untersuchten Wissenschaftler den Einfluss von Wildschweinen in 32 Kastanien-Waldökosystem im Nordwesten Spaniens auf die Population von Insekten. Speziell ging es um den Käfers Carabus lineatus lateralis und der Wespe Vespula vulgaris. Mittels den stabilen Isotopen Stickstoff (δ15N) und Kohlenstoff (δ13C) wurde die Variation der realisierten trophischen Positionen und die relative Mobilität der Insekten untersucht.
Die Ergebnisse stützten die Störungshypothese und ergaben, dass der Laufkäfer FCL stärker von Wildschweinstörungen als von der Waldbewirtschaftung betroffen zu sein scheint, möglicherweise aufgrund der zunehmenden Waldbedeckung und der Aufgabe des ländlichen Raums in den letzten Jahrzehnten Quelle: Matas et al. 2021).

Unsere Ergebnisse stützen die Störungshypothese dabei Berücksichtigung der Auswirkungen der Produktivitätshypothese zur Größe des Ökosystems und Vermutung, dass die FCL derzeit möglicherweise stärker von der Wildschweinaktivität als von der Waldbewirtschaftung an sich betroffen ist. Die ökologische Rolle von Wildschweinen ohne traditionelle Waldbewirtschaftung muss jedoch weiter untersucht werden, um festzustellen, inwieweit Wildschweine und Menschen die Nahrungsnetze von Waldarthropoden beeinflussen können. Unsere Ergebnisse stimmen damit überein, dass terrestrische Ökosysteme weniger räumlich begrenzte Lebensräume als Süßwasserökosysteme sind und dass Nahrungsnetze und FCLs weniger von der Ökosystemgröße an sich beeinflusst werden.

Es ist jedoch schwierig, „ökologische Grenzen“ in Wäldern zu identifizieren, da der Austausch von Energie und Biota dazu führt, dass scheinbare physische Grenzen für den Menschen möglicherweise nicht gut mit den realisierten ökologischen Grenzen übereinstimmen (siehe auch Post et al., 2007). Obwohl unsere Schlussfolgerungen die Bewegung von Raubtieren mittels δ13C erklären, erfordert die Untersuchung der Determinanten von FCL-Hypothesen in Waldökosystemen wahrscheinlich die Untersuchung der FCL-Variation entlang stabiler Isotopenkontinua von benachbarten Lebensräumen bis zum Brennpunkt, an dem der Raubtier gefangen wird, idealerweise kombiniert mit Telemetriedaten.

Modellierungen

ENETWILD

Die Risikobewertung für einige Krankheitserreger, die für Mensch und Tier von Interesse sind, erfordert die Verfügbarkeit von Daten zu Vorhandensein und Häufigkeit von Wildarten, die Reservoire für Krankheitserreger darstellen können

Viele europäische Länder und Organisationen sammeln Geodaten zur Verbreitung und zum Vorkommen von Wildtieren, aber jedes hat seine eigenen spezifischen Merkmale in Bezug auf die verwendete Methodik, die Art der erfassten Daten, das implementierte Repository und deren Zugänglichkeit.

Über ENETWILD finanziert die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) dieses Projekt, um vergleichbare Daten auf europäischer Ebene zu sammeln und das Risiko von Krankheiten zu analysieren, die zwischen Wildtieren, Nutztieren und Menschen geteilt werden. Daten, die auch für den Naturschutz und das Wildtiermanagement von wesentlicher Bedeutung sind.

Dieses Projekt versucht, die europäischen Kapazitäten zur Überwachung der Wildtierpopulation zu verbessern, Standards für die Datenerfassung, -validierung zu entwickeln und schließlich ein Datenrepository zu erstellen und zu fördern.

Die Ziele, die ENETWILD in den nächsten Jahren entwickeln wird, konzentrieren sich speziell auf Wildschweine.

ENETwild-Modellierung der Wildschweinverteilung und Abundanz: Aktualisierung der Vorkommens- und Jagddaten-basierte Modelle

Das ENETWILD-Konsortium hat Methoden zur Modellierung der Wildschwein-Häufigkeitsverteilung auf der Grundlage von Jagdertragsdaten (JED) entwickelt. Obwohl die Methoden eine akzeptable Zuverlässigkeit erreichten, neigten die Vorhersagen der absoluten Anzahl gejagter Tiere dazu, überprognostiziert zu werden, wenn Modelle auf eine höhere räumliche Auflösung verkleinert wurden. Einige wichtige Probleme wie die JED-Oberflächenbeziehung und die räumliche Autokorrelation von JED-Daten oder die Genauigkeit von verkleinerten Vorhersagen wurden aufgrund der Komplexität des Umgangs mit riesigen Datensätzen auf europäischer Ebene noch nicht vollständig angegangen.

Aktuell wird untersucht wie die Verwendung von gejagten Wildschweindichten (Anzahl der gejagten Wildschweine im Verhältnis zur Oberfläche) anstelle von Rohzahlen (Anzahl der gejagten Tiere) als Antwortvariable sich auswirkt. Zusätzlich werden intrinsische bedingte autoregressive Modelle ein (iCAR) unter Berücksichtigung der räumlichen Autokorrelation benutzt.

Simulationen liefern Wildschweinvorkommen mit Auflösung 2 × 2 km Gitter

Mithilfe von Simulationen und tatsächlichen Wildschweindaten sollten diese neuen Aktionen hochauflösende Vorhersagen (2 × 2 km Gitter) mit höherer Genauigkeit erstellen (Link). Die Modellanpassung wurden in zwei verschiedenen Regionen in Europa mit hochqualitativen Jagdertragsdaten bewertet: in der autonomen Region Aragón (Nordostspanien, gehört zur Südbioregion im Sinne von ENETWILD) und im gesamten slowenischen Land (Ostbioregion). Dabei zeigte sich, dass die ausgeprägte Übervorhersage, wie sie in früheren Berichten beim Herunterskalieren von Modellen beobachtet wurde, jetzt durch Verwendung von gejagten Wildschweindichten als Antwortvariable kontrolliert wurde.

Darüber hinaus wurde eine höhere Genauigkeit bei Modellvorhersagen erreicht, wenn der iCAR-Ansatz zur Steuerung der räumlichen Autokorrelation verwendet wurde. Diese hohe Genauigkeit wurde auch dann beibehalten, wenn hochauflösende Vorhersagen aggregiert und mit dem tatsächlichen Wildschwein-Jagdertragsdaten verglichen wurden. Diese Ansätze sollten in zukünftigen Modellen berücksichtigt werden und stellen einen wichtigen Schritt vorwärts dar, um die Verteilung des Wildschweinreichtums und anderer Wildtiere mit hoher Auflösung über Europa zu modellieren.

Aktuelle Forschungsvorhaben

Europaweiten Studie über die Populationsentwicklung des Wildschweins (Sus scrofa).
Wildtiermanagement im Klimawandel: Untersuchungen zur Thermoregulation beim Wildschwein
Universität: Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie, Department für Interdisziplinäre Lebenswissenschaften, Veterinärmedizinische Universität Wien. Übersicht

Berlin Stadtwildtiere: Bürger können Sichtmeldungen im Webprojekt zu Wildschweinen in urbanen Lebensräumen melden und Bilder hinterlegen auf https://stadtwildtiere.de/tiere/wildschwein

Ressortforschung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit: Erfassung der aktuellen Kontaminationssituation bei Wildschweinen in Deutschland

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft – Informationen zu Fällen der Afrikanischen Schweinepest bei Wildschweinen in Deutschland auf www.bmel-forschung.de/projekte/nutztierforschung/afrikanische-schweinepest/

Thünen-Institut – Methoden des Schwarzwildfangs. Details

Canadian Wild Pig Research Project – CWPRG an der University of Saskatchewan

Jagd

Bewirtschaftung von Schwarzwild

Handlungsprogramm zur Reduzierung überhöhter Schwarzwildbestände und zur Absenkung des Risikos einer Ausbreitung von Tierseuchen für das Jagdjahr 2020/2021

Bilder

Bache mit Frischlingen

Wildschweinmutter mit Frischlingen

ältere Keiler sind außerhalb der Paarungszeit meist Einzelgänger und sehr wehhaft

adultes männliches Wildschwein - ältere Keiler leben allein

 

Weibliche Wildschweine

Beim Schwarzwild haben die Weibchen das Heft in der Hand, zumindest bei der Sozialstruktur. Denn die Tiere leben in Rotten, die abgesehen von relativ jungen männlichen Frischlingen oder Überläuferkeiler nur aus Generationen von weiblichen Familienmitgliedern oder deren Verwandte bestehen. Angeführt wird die Rotte von einer erfahrenen Leitbache.

Eine Rotte bestehend aus Bache, Überläufer und Frischlinge, wobei weibliche Wildschweine oft Familienverbände bilden

3 Wildschweingenerationen: Bache, Überläufer und Frischlinge

Nachfrage zum Suchwort im Web

Wie häufig wird „wildschwein“ bei Google gesucht? Die relative Entwicklung der Nachfrage ist in der folgenden Abbildung dargestellt. Seit 2010 wird der Begriff zunehmend häufiger nachgefragt. Auffallend ist die Saisonalität der Nachfrage mit einem Maximum jeweils im Dezember. Mehr zur Auswertungsmöglichkeit finden Sie auf unserer Seite über Google Trends.

Entwicklung der Nachfrage nach dem Suchwort Wildschwein

Relative Häufigkeit des Suchvolumens nach dem Keywort „Wildschwein“ bei Google. Quelle: trends.google.de

Literatur

Berger, K., 2006: Winterhabitatnutzung dreier subadulter, männlicher Wildschweine (Sus scrofa) im Pfälzerwald. – Diplomarbeit, Fakultät Forst- und Umweltwissenschaften, Universität Freiburg, Deutschland

Boitani L., Mattei L., Nonis D. and Corsi F. 1995: Spatial and activity patterns of wild boars in Tuscani. Journal of Mammalogy 75: 600–612.

Briedermann, L. 1986 und 2009: Schwarzwild.

Ebert, C., Berger, K., Huckschlag, D., Nikolov, I.,  Schikorar, T., Schulz, H., Hohmann, U., 2007: Kann man Wildschweine zählen? Eine Untersuchung über die nicht-invasive Gewinnung von Gewebeproben zur Verwendung bei der Bestandesschätzung von Wildschweinen. In: Degen-hardt, A; Wunn, U. (Hrsg.), Tagungsband der Sektion forstliche Biometrie und Informatik im DVFFA „Die grüne Reihe“ Band 18, S. 63-72.

Gamelon, M. et al. Making use of harvest information to examine alternative management scenarios: a body weight-structured model for wild boar. J. Appl. Ecol. 49, 833–841

Galloway, A.; Birkby, W.H.; Jones, A.M.; Henry, T.E.; Parks, B.O. 1989: Decay rates of human remains in an arid environment. J Forensic Sci, 34, 607-616.

Janoska, F., Farkas, A., Marosan, M., Fodor, J-T., 2018: Wild Boar (Sus scrofa) Home Range and Habitat Use in Two Romanian Habitats. Acta Silvatica et Lignaria Hungarica. 14. 51-63. 10.2478/aslh-2018-0003.Text

Jones,  C.G.,  Lawton,  J.H., Shachak,  M. 1994  Organisms  as  ecosystem  engineers. Oikos, 69, 373-386.

Keough, N.; Myburgh, J.; Steyn, M. 2017Scoring of Decomposition: A Proposed Amendment to the Method When Using a Pig Model for Human Studies. J Forensic Sci, 62, 986-993.

Matas, A., Mac Nally, R., Albacete, S., Carles-Tolrá, M., Domènech, M., Vives, E., Espadaler, X., Pujade-Villar, J., Maceda-Veiga A., 2021: Wild boar rooting and rural abandonment may alter food-chain length in arthropod assemblages in a European forest region. Forest Ecology and Management. 479 p.118583. Vollständiger Text

Megyesi, M.S.; Nawrocki, S.P.; Haskell, N.H. 2005: Using accumulated degree-days to estimate the postmortem interval from decomposed human remains. J Forensic Sci, 50, 618-626.

Pohlmeyer, K., Sodeikat, G. 2004: Populationsdynamik und Raumnutzung des Schwarzwildes (Sus scrofa L.). In: Schwarzwild aktuell. (= Schriftenreihe des Landesjagdverbandes Bayern e.V., Band 12), 2004, S. 11-21.

Schindeldecker, S. (2010): Habitatanalyse von Wildschweinen (Sus scrofa L.) anhand von GPS-Daten im Pfälzer-Wald. Diplomarbeit Uni Trier, 94 SHabitatanalyse von Wildschweinen (Sus scrofaL.) anhand von GPS-Daten im Pfälzer-Wald.

Servanty, S., Gaillard, J.M., Toïgo, C., Brandt, S. & Baubet, E., 2009: Pulsed resources and climate-induced variation in the reproductive traits of wild boar under high hunting pressure. Journal of Animal Ecology, 78, 1278-1290. Abstract

Servanty, S., Gaillard, J.M., Ronchi, F., Focardi, S., Baubet, E. & Gimenez, O., 2011: Influence of harvesting pressure on demographic tactics: implications for wildlife management. Journal of Applied Ecology, 48, 835-843

US Department of the Interior – Movements of Wild Pigs in Louisiana and Mississippi, 2011–13

News

Das 13. Internationale Symposium über Wildschweine in Barcelona wurde auf auf 2022 verschoben: Diese schwierige Entscheidung wurde vor dem Hintergrund der Entwicklung der COVID-19-Pandemie und der in den kommenden Monaten geltenden Reisebeschränkungen getroffen.

NRW – Afrikanische Schweinepest: Land mahnt weiterhin zu Umsicht

Die Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutzin NRW appeliert an die Umsicht der Jäger. „Wichtig sei zudem, Funde von toten Wildscheinen unmittelbar unter der Telefonnummer 0201/714488 oder per Mail an nbz@lanuv.nrw.de der Bereitschaftszentrale des Landesumweltamtes zu melden. Die Zentrale kümmert sich in Abstimmung mit den Kommunen um die schnelle Sicherung und Untersuchung des aufgefundenen Wildschweins.“