Mykophagie – wenn Tiere Pilze fressen und so die Sporen im Ökosystem verbreiten

Mykophagie - Erklärung des BegriffsDie Evolution hat zum Teil komplexe Strategien erzeugt, wie sich Organismen fortpflanzen. Bei den Pilzen gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie Sporen verbreitet werden können. Eine davon wird als Mykophagie bezeichnet (mykos = Pilz, phagie = essen). Worum handelt es sich dabei?

Der Begriff Mykophagie wird bei Tieren angewendet, die Pilzen fressen und so letztlich Sporen in der Umwelt verbreiten. Diese Gewohnheit ist weit verbreitet, als Vektoren kommen Vögel, Wirbellose, Säugetiere und sogar Schildkröten infrage.

Die rechte Abbildung zeigt ein Wildschwein bei der Suche nach Hirschtrüffel. Die Trüffel, meist handelt es sich um Elaphomyces granulatus, werden sehr gern von Wildschweinen gefressen. Die Sporen passieren weitgehend unbeschadet den Magen-Darm Trakt und gelangen später über den Kot wieder auf die Bodenoberfläche. Mit dem Niederschlag und über Zersetzungsprozesse gelangen die Sporen dann tiefer in den Auflagehumus. Da Wildschweine täglich durchschnittlich ca. 4 km zurücklegen (Keuling und Stier 2006) werden die Sporen so im Ökosystem verteilt.

Viele Studien zu Säugetieren und Mykophagien umfassen hypogene Spezies, denen Mechanismen der Sporenentladung fehlen und die von externen Vektoren abhängen, um ihre Sporen zu verteilen. Daher ist Mycophagie nicht nur für diese Säugetiere als Nahrungsquelle, sondern auch für Waldökosysteme wichtig, da durch den Prozess Mykorrhiza Pilze zu neuen Baumwurzeln transportiert werden und damit indirekt die Sukzession beeinflussen

Beobachtungen von Säugetier-Mykophagy wurden seit mindestens 1800 aufgezeichnet. Rees und Fisch (1887) befassten sich mit der Verbreitung von Sporen von Elaphomyces (Hirschtrüffel) durch Tiere (sowohl wild als auch experimentell) und kamen zu dem Schluss, dass Sporen die Magen-Darm Passage Tiere unverändert passieren

Die fungivore oder mykophage Ernährung kleiner Säugetiere, insbesondere bei Säugetieren mit einem Körpergewicht von weniger als drei Kilo, ist in der Literatur gut dokumentiert, und die Abhängigkeit von Pilzen als Nahrungsressource kann je nach Tierart stark variieren. Säugetie-Mykophagie wird seit Jahrhunderten berichtet und die meisten Aufzeichnungen stammen aus Nordamerika und Australien, aber es gibt auch Aufzeichnungen aus Europa.

Fungivore Strategien von Tieren

Eine Schlüsselfunktion von hypogäischen Pilzen ist die Rolle, die ihre Fruchtkörper als Nahrungsquelle für eine große Anzahl von Landessäugern spielen. Für einige wenige Tiere bilden unterirdische Pilze ganzjährig den wichtigsten Nahrungsbestandteil, während sie für andere nur einen saisonalen oder ergänzenden Wert haben. Das Ausmaß, in dem Pilzteile die Nahrung von Säugetierarten sind, spiegelt sich in den verschiedenen Ebenen der Anpassung wider, um diese ernährungsphysiologisch anspruchsvollen Futtermittel zu finden und zu verdauen.

Trappe und Claridge (2005)  kategorisierten Mykophagisten so:

(1) obligatorisch – vollständig oder fast vollständig abhängig von Fruchtkörpern

(2) mit Präferenz – bevorzugen Fruchtkörper gegenüber anderen Nahrungsquellen

(3) beiläufig oder opportunistisch – gelegentlich werden, wenn verfügbar Fruchtkörper gefressen

(4) versehentliche Aufnahme von Fruchtkörpern oder Sporen bei der Aufnahme anderer Nahrungsbestandteile

Literatur

Katharina Kräutler, 2009: Extraktion und Amplifikation von Pilz-DNA aus Kleinsäugerkotprobe. Link

Keuling =., Stier N., 2006: Schwarzwild – Untersuchungen zu Raum- und Habitatnutzung des Schwarzwildes (Sus scrofa L. 1758) in Südwest-
Mecklenburg unter besonderer Berücksichtigung des Bejagungseinflusses und der Rolle älterer Stücke in den Rotten

Piattoni, F., Ori, F., Morara, M., Iotti, M., Zambonelli, A., 2012. The role of wild boars in spore dispersal of hypogeous fungi. Acta Mycol. 47, 145-153. Link

Rees M., und Fisch C., 1887: Untersuchungen über Bau und Lebensgeschichte der Hirschtrüffel, Elaphomyces.

Soteras et al 2017: Mycophagy by invasive wild boar (Sus scrofa) facilitates dispersal of native and introduced mycorrhizal fungi in Patagonia, Argentina. Link

Trappe J.M., Claridge A.W. 2005: Hypogeous fungi: evolution of reproductive and dispersal strategies through interactions with animals and mycorrhizal plants. (In:) J. Dighton, J.F. White, P. Oudemans (eds). The Fungal Community. 3d.: 613–623.