Hirschtrüffel – Biologie und Vorkommen von Elaphomyces

Wer an Trüffel denkt hat dabei meist eine kulinarische Delikatesse im Sinn. Auch Wildschweine sind Trüffelfreunde, aber sie lieben andere Arten als ihre menschlichen Pendants: Hirschtrüffel, die aber gar keine echten Trüffel sind. Ihre Fruchtkörper stellen nur eine konvergente Entwicklung unter den Ascomyzeten (Schlauchpilze) dar.

Warzige Hirschtrüffel mit Fichtenwurzeln, Bodenpartikeln und Pilzmyzel
Elaphomyces granulatus mit Wurzelnest

Elaphomyces („Hirschtrüffel“) ist eine der wichtigsten Ektomykorrhiza-Pilzgattungen in gemäßigten und subarktischen Waldökosystemen. Aber auch eine der am wenigsten dokumentierten in öffentlichen Datenbanken. Die aktuelle Systematik basiert hauptsächlich auf Makromorphologie und unterscheidet sich nicht wesentlich von der von Vittadini (1831) vorgeschlagenen. Innerhalb der 49 weltweit anerkannten Arten wurden 23 ursprünglich aus Europa und 17 davon vor dem 20. Jahrhundert beschrieben. Darüber hinaus basieren sehr aktuelle phylogenetische Abhandhandlungen der Gattung hauptsächlich auf einigen außereuropäischen Arten. Die häufigsten europäischen Arten sind noch immer schlecht dokumentiert.

Vorweg: für den Menschen ist sie ungenießbar. Da ihre Fruchtkörper dazu unterirdisch wachsen, ist das kommerzielle Interesse an der Hypogäen Gattung Elaphomyces sehr gering. Entsprechend wenig ist über die Biologie dieser Pilzarten bekannt.

Auch von Seiten der Wissenschaft besteht bisher offenbar kein Interesse an Hirschtrüffel. Das ist verwunderlich, denn die Elaphomyces sind wichtige Mykorrhiza-Pilz für Fichte und Kiefer und Buche, wodurch ihnen eine entsprechende Bedeutung zukommen dürfte.

Artbestimmung & Phylogenie

Einige Arten können leicht anhand der äußeren Morphologie aufgrund Ihrer Peridie (im Querschnitt) oder Ihren Sporen erkannt werden. In Zweifelsfragen hilft nur die Genom Bestimmung mittels DNA-Extraktion und DNA-Sequenzierung (ITS & PCR: Internal transkribierter Spacer (ITS) bezieht sich auf die Spacer-DNA).

Vorkommen

Laut Paz et al. (2017) gibt es weltweit 49 Elaphomyces Arten wovon 23 Arten in Europa vorkommen. In Deutschland leben vermutlich 11 Arten, wobei überwiegend Elaphomyces granulatus (Kleinwarzige oder Warzige Hirschtrüffel), und in geringerem Maß auch Elaphomyces muricatus (Stachelige Hirschtrüffel) gefunden werden.

Mykorrhizapartner

Elaphomyces granulatus ist überwiegend mit Fichte und Kiefer vergesellschaftet, während E. muricatus überwiegend Buche als Baumpartner hat.

Systematik

Die Gattung der Hirschtrüffel gehört zur Unterabteilung der Schlauchpilze, Klasse Eurotiomycetes, Ordnung Eurotiales und Familie der Elaphomycetaceae:

Unterabteilung:  Echte Schlauchpilze (Pezizomycotina)

Klasse:                  Eurotiomycetes

Unterklasse:       Eurotiomycetidae

Ordnung:             Eurotiales

Familie:               Hirschtrüffelverwandte (Elaphomycetaceae)

Gattung:              Hirschtrüffel

Bedeutung von Elaphomyces granulatus

Myzel: Wichtiger Mykorrhiza Pilz für Fichte und Kiefer in Deutschland

Fruchtkörper – Sporocarp: Größe bis maximal ca. 5 cm und 15 g Gewicht

Bedeutung im Nahrungsspektrum von Wildschweinen und einigen Kleinsäugern wie der Rötelmaus und dem Siebenschläfer (Schickmann et al. 2012, Cázares und Trappe 1994)

Fruchtkörper reichern Radioaktivität (Cs-137) an, was zur Cs-137 Kontamination von Wildschweinen führt

Verbreitung der Sporen: über Mykophagie, also über Tiere. Unangetastet zerfällt der Fruchtkörper langsam durch den Abbau der Peridie. Die blauschwarzen Sporen werden dann als kompakter „Block“ im Waldboden freigesetzt.

Peridie & Gleba

Die folgende Abbildung zeigt einen Querschnitt durch eine rund 7 g schwere Elaphomyces granulatus. Deutlich ist die helle Peridie von der dunklen mit Sporenmasse gefüllten Gleba zu unterschieden. Die Fruchtkörperhülle ist sehr derb und nur wenige mm dick.

Sporenmasse und Peridie der Warzigen Hirschtrüffel
Fruchtkörperhüllwand und Sporenmasse von Elaphomyces granulatus

 

Sporen

Reife Hirschtrüffel beherbergen im Inneren eine dunkelblaue bis violette Sporenmasse, die als zähe Fäden auseinander gezogen werden kann.

Forschung

Interessanter Weise ist über die Ökologie der Elaphomyces Arten wenig bekannt. Die meisten Arbeiten stammen aus Nordamerika, wo E. granulatus in einigen Wäldern bezüglich der Biomasse zu den dominaten Arten zählt: z. B. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5645184/ „Elaphomyces (‘deer truffles’) is one of the most important ectomycorrhizal fungal genera in temperate and subarctic forest ecosystems, but also one of the least documented in public databases…… and most common European species are still poorly documented.“

Wir haben uns in zwei Forschungsvorhaben im Zusammenhang mit der Radiocäsiumkontamination von Wildschweinen auch mit der Cs-137 Aktivität von E. granulatus und E. muricatus beschäftigt. Aktuell interessieren uns die folgenden Themen:

Inventar & Biomassen Bestimmung

Wie viel Biomasse an Fruchtkörper produzieren Myzelien von Hirschtrüffel? Die Menge ist für die Abschätzung des Beitrags zur Radiocäsium Kontamination von Wildschweinen von Bedeutung.

Um das Inventar von Hirschtrüffelfruchtkörper zu bestimmen, wird ein definiertes Bodenvolumen vollständig auf Trüffel abgesucht. Ausgangspunkt ist dabei jeweils eine Fundstelle (s. Abbildung). In der vorliegenden Untersuchung wurden im Nationalpark Bayerischer Wald Flächenparzellen von 2m x 2m bis in 20 cm Bodentiefe abgesucht:

Untersuchungen zum Inventar der kleinwarzigen Hirschtrüffel
Typischer Lebensraum von Elaphomyces granulatus im Nationalpark Bayerischer Wald

In der Literatur finden sich keine Angaben zur Biomasse von Fruchtkörpern. Angaben fehlen auch darüber, wie lange die Fruchtkörperentwicklung dauert (Rees vermutet mehrere Jahre) und ob saisonale Zyklen vorliegen. Es scheint so, dass Fruchtkörper häufiger im Frühjahr als im Herbst vorkommen.

Eigene Untersuchungen im Harz ergaben an ergiebigen Fundstellen bis 300g / kg Frischsubstanz. Hier haben wir Informationen zur Umrechnung in Trockensubstanz publiziert.

Reichweite und Tiefenverteilung von Elaphomyces Myzelien

Laut Agerer 2001 gehört E. granulatus zum  „Short-distance exploration type”. Das Myzel sollte sich nur über eine Entfernung von 1 – 2 cm erstrecken (Agerer mündl.). Wir versuchen diese Angaben zu verifizieren.

DNA Analysen sollen im boden vorhandene
Für die Radiocäsium Aufnahme in Fruchtkörper von Hirschtrüffel ist deren Tiefenverteilung im Zusammenhang mit der Myzel-Erstreckung von Bedeutung. Deshalb versuchen wir an Fundstellen von Fruchtkörper die Verteilung der Myzelien in Bodenprofilen zu analysieren. Dazu werden aus 2 cm Bodenschichten Proben für eine DNA Analyse entnommen und auf Artzugehörigkeit untersucht.

 

Hirschtrüffel Arten in Deutschland

Vermutlich kommen diese Elaphomyces Arten in Deutschland vor

E. aculeatus
E. anthracinus
E. asperulus
E. cyanosporus
E. decipiens
E. granulatus
E. maculatus
E. muricatus
E. mutabilis
E. papillatus
E. persoonii
E. septatus
E. virgatosporus

Lebenszyklus

Der Lebenzzyklus ist weitgehend unbekannt.

Schwermetallanalyse

Die Analyse eines Fruchtkörpers von Elaphomyces granulatus ergab die folgenden Werte:

Trockenmasse 45,28%

 Blei  Cadmium  Chrom  Nickel  Kupfer  Zink
in mg/kg Trockenmasse
1,41 1,21 0,3 114,38 1,14 224,85

und

 Blei  Cadmium  Chrom  Nickel  Kupfer  Zink
in mg/kg Frischmasse
0,639 0,548 0,14 51,79 0,51 101,81

 

Literatur

Agerer R. (2001): Exploration types of ectomycorrhizae. A proposal to classify ectomycorrhizal mycelial systems according to their patterns of differentiation and putative ecological importance. Mycorrhiza 11(2): 107 – 114. Auszug online verfügbar auf https://link.springer.com/article/10.1007/s005720100108

Cázares, E.; Trappe, J.M. 1994. Spore dispersal of ectomycorrhizal fungi on a glacier forefront by mammal mycophagy. Mycologia.  86:  507-510.

Paz, A.; Bellanger, J.-M.; Lavoise, C.; Molia, A.; Ławrynowicz, M.; Larsson, E.; Ibarguren, I.O.; Jeppson, M.; Læssøe, T. (2017-06-30). „The genus Elaphomyces (Ascomycota, Eurotiales): a ribosomal DNA-based phylogeny and revised systematics of European ‚deer truffles‚“. Persoonia – Molecular Phylogeny and Evolution of Fungi. 38 (1): 197–239. doi:10.3767/003158517×697309

Schickmann S, Urban A, Kräutler K, Nopp-Mayr U, Hackländer K. 2012 –The interrelationship of mycophagous small mammals and ectomycorrhizal fungi in primeval, disturbed and managed Central European mountainous forests. Oecologia 170, 395–409.